Theatergastspiele Kempf GmbH
DER GROßE GATSBY
Schauspiel von Gerold Theobalt
Nach dem Roman „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald

1. Tournee:
13. Februar bis 13. April 2014
Premiere am 13. Februar 2014 in Iserlohn
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Die glamouröse Halbwelt Roaring Twenties

In pfiffiger Inszenierung kam das Schauspiel „Der große Gatsby“ von Gerold Theobalt am Mittwoch auf die Saalbaubühne. Die Bearbeitung des gleichnamigen Romans von F. Scott Fitzgerald spielten bei der Volksbühne die Kempf-Theatergastspiele in vielseitiger und prägnant agierender Besetzung. Dem kleinen Ensemble gelang es mit überraschend wandlungsfähigen Requisiten, mondänes Leben und kontrastierende Armut in Zeiten der Prohibition vor Augen zu führen.
 
Im raschen Wechsel vom Monolog des Erzählers zum Mitspieler Nick Carraway führte Hendrik Winkler durch die Episoden des Romans: Auf zwei Seiten einer Bucht von Long Island stehen sich altes und neues Geld, die Upper Class der Ostküste und die Emporkömmlinge, gegenüber. Allseitige Untreue, verloren gegangene Moral und kaum verhohlene Kriminalität charakterisieren das Gesellschaftsbild jener Zeit. Im Mittelpunkt steht die reiche Daisy (Ursula Buschhorn), verheiratet mit dem brutalen Sportstar Tom (Thorsten Nindel) und umworben von ihrer Jugendliebe, dem Gangster Gatsby (Hans Piesbergen). Seitensprünge, Rivalität, Geld und eine Gesellschaft ohne Regeln, selbst im Straßenverkehr, zeichnen das Stück zwischen Erstem Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise aus.
 
Der Snob Tom und Daisy, ein „Flapper“, wie das in jener Zeit verbreitete Bild der jungen, pseudoemanzipierten Frau genannt wurde, umgeben sich nur noch mit ihresgleichen. Doch Tom pflegt heimlich ein ungestümes Verhältnis mit der Frau seines Tankwarts. Zusammen kommt dieses Gesellschaftsbild auf Gatsbys Partys. Dort tummeln sich Glamour- und Halbwelt.
 
Trotz aller dramatischen Turbulenz kamen Musik und Humor in der Inszenierung nicht zu kurz. Musikalisch begleiteten Einspieler von Jazz-Klassikern, aber auch Live-Auftritte mit Gitarre und Akkordeon, dazu schräger Gesang und Bläserimitationen das Stück. Verbunden mit Travestie sorgten die Darsteller immer wieder für Lacher im Publikum. Hauptdarsteller und Ensemble lieferten eine runde Leistung ab.
 
Von Martin Schreckenschläger – Ruhrnachrichten, 21.03.2014
 
   

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Zurück in die 20er Jahre
Auftakt der Reihe Star-Theater mit dem Erfolgsstück „Der große Gatsby“

Bad Wildungen. Ausver¬kaufte Wandelhalle zum Start der beliebten und erfolgreichen Reihe Star-Theater am Freitagabend in der Wandelhalle: Auf dem Programm stand das Erfolgsstück „Der große Gatsby“ nach dem 1925 erschienen Roman von F. Scott Fitzgerald, der längst zu den großen Werken der modernen amerikanischen Literatur zählt.
 
Gerold Theobalt hat den Romanstoff für die Bühne bearbeitet, Silvia Armbruster hat den Stoff für die Kempf Theatergastspiele flott und zeitgemäß inszeniert. Der Erfolg der Aufführung, in der es um Eifersucht und Liebe, um Kriminalität und Ausschweifung, um Standesunterschiede, um die Prohibition und um Umbrüche in den 20er Jahren in den USA geht, ist vor allem der Besetzung mit Schauspielern zu verdanken, die den Theaterbesuchern aus dem Fernsehen bekannt sind.
 
An Anfang der Aufführung steht Hendrik Winkler als Nick Carraway ganz alleine auf der Bühne und beginnt die Geschichte des großen Gatsby und deren tragisches Ende zu erzählen. Nick versucht sich als Börsenmakler und wohnt in einem kleinen Häuschen auf Long Island. Hans Piesbergen gibt die Titelrolle und ist als „Der große Gatsby“ gekonnt wohltuend zurückhaltend. Thorsten Nindel als Footballspieler Tom Buchanan, der polternd laut auftrumpft, wohnt mit seiner Frau Daisy in einer Villa auf der anderen Seite der Bucht gegenüber dem Gatsby-Schloss.
 
Auf einer rauschenden Party trifft Gatsby durch Vermittlung von Nick mit Daisy zusammen, in die er einst heftig verliebt war, die aber während seiner Zeit bei der Army Tom geheiratet hat. Auf dieser Party beginnt auch eine heftige Affäre zwischen Nik und der hübschen kessen blonden Golferin Jordan Baker (Nicole Lohfink), einer Freundin von Daisy.
 
Hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zum großen Gatsby und ihrem untreuen Ehemann entscheidet sich Daisy für ihren Mann Tom. Als Daisy auf der Theaterbühne überrascht der TV-Serien-Star Buschhorn übrigens durch ihre eindrucksvolle Darstellungskunst und die glaubhafte Ernsthaftigkeit ihrer Bühnenpräsenz.
 
Die Aufführung gewinnt durch das moderne Bühnenbild (Claudia Weinhart), das mit einer Silhouette des Wolkenhimmels über dem Strand von Long Island auskommt und auf der Projektionen erscheinen. Originell die Regieeinfälle und Bühnengags wie ein Tanz der Mimen mit Puppen im Gatsby-Ballsaal, die skurrilen „Musik“-Einlagen eines Trios aus dem Ensemble in Doppelrollen und eine Autofahrt von Gatsby und Nick in dem rollenden Sofa.
 
Beeindruckt haben die Darsteller Andreas Bittl als Tankstellenbesitzer George Wilson und seine Ehefrau Myrtle (Stephanie Marin), die Geliebte von Footballspieler Tom. Sie kam bei einem Autounfall - Daisy saß am Steuer - ums Leben. Tom schob die Schuld auf Gatsby, der dann vom Ehemann des Unfallopfers erschossen wurde. Längst waren Daisy und Toml abgereist - zur Beerdigung vom großen Gatsby kamen nur dessen Vater im Rollstuhl und Nick.
 
Am Ende gab es herzlichen Beifall für die beachtenswerte tragisch-komische Geschichte vom „Großen Gatsby“.
 
Von Werner Senzel – HNA Waldeckische Allgemeine, 23.02.2014
 
   

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Große Literatur und große Gefühle
Fitzgeralds Erfolgsroman „Der große Gatsby“ in der Bad Orber Konzerthalle

Bad Orb. Neureich „meets“ Geldadel: „The great Gatsby“ ist F. Scott Fitzgeralds 1925 erstmals veröffentlichter Erfolgsroman. In einer Bühnenfassung von Gerold Theobalt brachten die Kempf Theatergastspiele unter der Regie von Silvia Armbruster das Schauspiel auch in die Bad Orber Konzerthalle. Die Inszenierung wurde mit lang anhaltendem Beifall bedacht.
 
Wer das Stück kannte, war natürlich im Vorteil. „Der große Gatsby“: Darin geht es um einen Mann, der dazugehören will und es bei allem Reichtum nicht in die „upper class“ und damit auf Augenhöhe mit der Frau, von der er besessen ist, schafft. Es ist die grandiose Selbstinszenierung eines Mannes, die in höchste Höhen geht und in einem Nobelpool endet. Mit einer Beerdigung, der nur Gatsbys Vater und sein Freund Nick beiwohnen, schließt sich der Kreis um eine tragische unerfüllte Liebe. Damit waren einerseits große Literatur und große Gefühle auf der Bühne, andererseits wurde aber auch eine außergewöhnliche Inszenierung gezeigt, die gerade die skurrilen Partys, die der „große Gatsby“ zu geben pflegte, deutlich machten, einschließlich Musik mitten im knapp 500-köpfigen Publikum. Überhaupt häuften sich die ausgefallenen Ideen, ob Sofa-, Auto- oder Rikschafahrten; denn hier durften auch die Couches über die Bühne gleiten, ob Videosequenzen, oder außergewöhnliche Requisiten. Der Sommer 1922, um den es hier geht, wird aus der Sicht von Nick (Hendrik Winkler) geschildert. Nick ist braver Yale-Absolvent und will sich als Börsenmakler in Big Apple seinen Anteil holen. Er hat ein kleines Häuschen auf Long Island und ist Nachbar des schillernden unendlich reichen Gatsby (Hans Piesbergen). „Mein Haus ist wie ein Schuhkarton neben seinem.“ Schnittstelle ist Nicks Cousine Daisy (Ursula Buschhorn), die mit Tom Buchanan (Thorsten Nindel) mehr oder minder unglücklich verheiratet ist. Trotz seiner Affären bleibt sie bei ihm. Gatsby war einst ihre große Liebe. „Aber eine reiche Frau heiratet keinen armen Mann“, vermittelt sie ungerührt nach dem flehenden „Warum hast Du nicht auf mich gewartet?“. Dies war Gatsbys Triebfeder, mittels mysteriösen Geschäften zu Reichtum zu kommen und damit Daisys Herz zurück zu gewinnen. Hinzu kommen die reiche Profigolferin Jordan (Nicole Lohfink), eine Freundin Daisys sowie Toms aktuelle Geliebte Myrtle Wilson (Stephanie Marin) und deren Mann George (Andreas Bittl), die auf der „anderen Seite“ ihr Leben fristen. Illusionslos flüchten sich die Reichen in den nicht für alle „Goldenen Zwanzigern“ in ein mondänes, genussbestimmtes Leben, zynisch und alkoholabhängig und trotz allem Luxus von Langeweile geprägt: Die High Society, ebenso vor ihrem Niedergang, wie eine große (einseitige) Liebe. Die sich abzeichnende Zeitkritik dürfte sich nicht allein auf die Zwanziger in den USA beziehen. Als Gatsby Daisy, die zwar gern seine Geliebte wurde, zwingen will, zu sagen, dass sie ihren Mann nie geliebt hat, zeigt sie ihr wahres Gesicht. Hans Piesbergen versteht es, Jay Gatsby mit dem notwendigen Hauch Melancholie ebenso zu versehen, wie mit vielen Facetten zwischen Hardliner als Geschäftsmann und verzehrendem Liebenden. Ursula Buschhorn füllt ihre Daisy als ambivalente Lebefrau mit der nötigen Portion Kälte, mal verloren, mal verbittert; aber auch voll Wärme, wenn es um ihr Kind geht. Thorsten Nindel wiederum setzt den ungehobelten rassistisch eingestellten, aber reichen Tom bestens um, und Nicole Lohfink weiß ihrer Jordan ein Gesicht zu geben. Sehr gut gefallen hat Hendrik Winkler, der als Nick einen großen Teil des Spiels als Erzähler, der sich direkt ans Publikum wendet, dominierte. Und Nicole Lohfink, Stephanie Marin sowie Andreas Bittl glänzten nicht nur in ihren benamten Rollen, sondern auch in vielen weiteren Gestalten.
 
Von Elsbeth Ziegler – Gelnhäuser Tageblatt, 24.03.2014
 
   

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Sittengemälde der New Yorker Oberschicht
Eindrucksvolle Aufführung von Fitzgeralds Bühnenstück „Der große Gatsby“ in Gelnhausen / Der High Society den Spiegel vorgehalten

Gelnhausen. Verherrlichung des Materialismus, Eleganz, Genusssucht, Langeweile und ausufernder Alkoholkonsum – das Bühnenstück „Der große Gatsby“ bot zahlreichen Theatergästen unterhaltsame Einblicke in ein Sittengemälde der New Yorker Oberschicht der „Goldenen Zwanziger Jahre“. F. Scott Fitzgerald, einer der Hauptvertreter der Erzählliteratur der amerikanischen Moderne, hatte mit diesem Roman bereits 1925 der High Society auf Long Island einen Spiegel vorgehalten. Der Bestseller wurde von 1926 bis 2013 insgesamt fünf Mal verfilmt und auch immer wieder fürs Theater adaptiert. Jetzt haben sich die Theatergastspiele Kempf des Themas angenommen. Unter der Regie von Silvia Armbruster wurde eine Inszenierung auf die Bühne gebracht, in der die Charaktere im Vordergrund stehen, unterstützt durch ein wirkungsvolles Bühnenbild mit mobilen Elementen in Form einer Art-Deco-Couch und einem angedeuteten Automobil, die bei Bedarf hereingerollt wurden, sowie zeitgemäßen Kostümen und Requisiten.
 
Ebenso wie im Roman führt Ich-Erzähler Nick Carraway (Hendrik Winkler) rückblickend ins Geschehen ein und berichtet, wie er als Börsenmakler auf Long Island ein kleines Haus erwarb, direkt in der Nachbarschaft des schwerreichen, sagenumwobenen „großen Gatsby“ (Hans Piesbergen), der Woche für Woche auf seinem riesigen Anwesen ausufernde Partys feiert, sich dabei jedoch selber nur selten blicken lässt. Durch persönliche Ansprachen der Akteure wurde das Publikum ins Partygeschehen mit hineingezogen, eine live auftretende Bluesband mit Akkordeon und Gitarre sorgte dabei für Heiterkeit. Doch bevor die Zuschauer den geheimnisvollen Gastgeber kennen lernen, stellt ihnen Carraway zunächst den uralten New Yorker Geldadel in Person seiner Cousine Daisy (Ursula Buschhorn), ihrem Mann Tom Buchanan und ihrer Freundin Jordan Baker (Nicole Lofink) vor. Rasch wird die Brüchigkeit ihrer vermeintlich sorgenlosen heilen Welt im Glanz des Reichtums deutlich. Daisy trauert den glücklichen Zeiten ihrer Jugend nach, denn ihr Ehemann Tom entpuppte sich nach der Hochzeit als brutaler und ungehobelter Rassist, für den Treue außerdem ein Fremdwort ist. Anders als Gatsby, der, wie sich im Laufe des Stückes herausstellt, einst als junger Leutnant Daisy sehr geliebt hatte. Zurückgekehrt aus dem Ersten Weltkrieg in Europa, setzte er nun alles daran, um seiner großen Liebe aus einem reichen Elternhaus eine standesgemäße Ehe bieten zu können und wurde reich durch den Alkoholschmuggel in Zeiten der Prohibition.
 
Mit Hilfe seines Nachbarn Nick Carraway gelingt es Gatsby, sich der inzwischen verheirateten Daisy zu nähern und ihr seine Liebe erneut zu gestehen. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Als Gatsby seine Geliebte immer mehr drängt, Tom die Wahrheit zu gestehen und ihn zu verlassen, wird das zum Zweck der Aussprache arrangierte Treffen ein Desaster. Arrogant beleidigt Tom Gatsby als Emporkömmling und provoziert bei ihm einen Wutausbruch, so dass sich Daisy ihrer Sache nicht mehr sicher ist. Erregt verlässt sie jedoch mit ihrem Geliebten den Treffpunkt in einem New Yorker Hotel. Tom bricht mit Nick und Jordan, die als Zeugen dabei waren, ebenfalls auf...
 
Aufpeitschende Musik, quietschende Reifen und ein Krachen verstärken auf der verdunkelten Bühne das dramatische Geschehen. Als das Licht wieder angeht, ist ein schrecklicher Unfall passiert. An der Tankstelle von Wilson (Andreas Bittl), wurde dessen Ehefrau (Stephanie Marin), gleichzeitig heimliche Geliebte von Tom, von einem gelben Rolls Royce, dem Wagen Gatsbys, überfahren. Durch ein Gespräch zwischen Nick und Gatsby erfahren die Zuschauer, dass Daisy am Steuer gesessen hat. Sie übernimmt jedoch keine Verantwortung, sondern zieht es vor, mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter zu verreisen. Zuvor jedoch hatte Tom dem Ehemann des Opfers mitgeteilt, dass Gatsby nicht nur ihr Mörder, sondern auch ihr Geliebter gewesen sei. Wilson nimmt Rache, indem er zuerst Gatsby und anschließend sich selber erschießt. Am Ende beklagt Nick, dass keiner von Gatsbys Partygästen, weder aus der Welt der Reichen und Schönen noch aus der Unterwelt, zu dessen Beerdigung erschienen ist. Angewidert von der New Yorker Gesellschaft verlässt er die Stadt und kehrt in seine Heimat im Mittleren Westen zurück.
 
Von Claudia Raab – Gelnhäuser Tageblatt, 12.04.2014
 
   

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Tiefgründiges Liebesdrama
Die Inszenierung von „Der große Gatsby“ im Bergischen Löwen stellte die Charaktere in den Mittelpunkt. Fitzgeralds detailreiche Erzählung ist auf der Bühne eine Herausforderung. Doch das Ensemble lieferte eine humorvolle Aufführung.

Bergisch Gladbach. Jay Gatsby ist ein Mysterium: ein reicher, distinguierter junger Mann, der jede Woche rauschende Feste in seinem pompösen Haus auf Long Island feiert, dessen Herkunft und Werdegang indes niemand kennt. Der einzige Mensch, dem er sich anvertraut, ist sein Nachbar Nick Carraway – der Ich-Erzähler in F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“. Auch in Gerold Theobalts Theaterbearbeitung, die nun im Bergischen Löwen aufgeführt wurde, führte Carraway (Hendrik Winkler) erzählend durch die in den Roaring Twenties – den Goldenen Zwanzigern – spielende Geschichte: über Schein und Sein, über Moral und Unmoral, über wahre Liebe in der dekadenten Welt der Reichen und Mächtigen.
 
Fitzgeralds detailreiche Erzählung auf einer Bühne adäquat zu inszenieren ist sicherlich eine Herausforderung. Doch das Ensemble und Regisseurin Silvia Armbruster machten aus der Not eine Tugend und lieferten eine hier humorvolle, dort tiefgründige und durchweg fesselnde Alternative zu Baz Luhrmanns zumeist oberflächlichem Filmspektakel von 2013.
 
Nicht die schillernden Schauplätze standen im Vordergrund, sondern die Charaktere: der charmante Gatsby (Hans Piesbergen) der seine Partys nur feiert in der Hoffnung, Daisy (Ursula Buschhorn) wiederzusehen – die Liebe seines Lebens, die er zurückließ, als er in den Ersten Weltkrieg zog. Dann Daisy, eine entfernte Verwandte Carraways, die ebenfalls auf Long Island lebt und mittlerweile mit dem reichen, ungehobelten und rassistischen Tom Buchanan (Thorsten Nindel) verheiratet ist. Der wiederum liebt den Exzess und hat zudem eine Geliebte – Myrtle Wilson (Stephanie Marin), die Ehefrau des Mechanikers George Wilson (Andreas Bittl). Vor dem schlichten, aber wirkungsvollen Bühnenbild, ein Küstenpanorama auf einem Lamellenvorhang, entfalteten die Darsteller einfühlsam das Drama um verlorene Liebesmühe. Tanzeinlagen mit lebensgroßen Puppen ließen festliche Atmosphäre aufkommen, eingespielte Jazzsongs und authentisch anmutende Kostüme sorgten für stimmiges Zeitkolorit. Eine live auf Akkordeon und Gitarre präsentierte Bluesnummer bekam Szenenapplaus, und auch die Videoeinspielung, in der Carraway mit der lebhaften Jordan Baker (Nicole Lohfink) im Auto fuhr, passte perfekt. Für Gatsby endet die Geschichte bekanntlich schlecht – er verliert nicht nur Daisy, sondern auch sein Leben. Für die Zuschauer indes wird sich der Abend gelohnt haben: „Der große Gatsby“ war eine rundum unterhaltsame Angelegenheit.
 
Von Christian Leinweber – Kölner Stadtanzeiger, 19.03.2014
 
   

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Große Gefühle inmitten einer Party-Gesellschaft
Silvia Armbruster brachte „Der große Gatsby“ mit Ursula Buschhorn als Daisy auf die Theaterbühne.

Wolfsburg. Einen ungeschminkten Blick auf die „Goldenen Zwanziger“ des letzten Jahrhunderts gibt der Roman „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald. Seinen Inhalt hat Gerold Theobalt in ein Schauspiel eingearbeitet, das von der Firma Kempf-Gastspiele auf Tournee geschickt wurde. Nachdem es am 13. Februar in Iserlohn seine Premiere feiern konnte, war es am Dienstagabend im Wolfsburger Theater zu sehen.
 
Regie führte Silvia Armbruster, die mit ihren Stücken schon wiederholt Preise erringen konnte. Die Besetzung mit Ursula Buschhorn (Daisy), Thorsten Nindel (Tom Buchanan) und Hans Piesbergen (Gatsby) garantierte eine erfolgreiche Aufführung.
 
Austragungsort war der New Yorker Stadtteil Long Island. Der Erste Weltkrieg lag erst wenige Jahre zurück und hatte seine Spuren hinterlassen. Jetzt wollte man wieder leben. „Nimm dir vom Leben, was dir gefällt und solange es geht“, war das Motto. Wie man an seinen Reichtum kam, spielte keine Rolle. Skrupel und Bedenken kannte man nicht, der Krieg hatte einen hart gemacht. Jeder wollte nur feiern, Spaß haben und sich grenzenlos vergnügen. Rücksichtnahme auf andere war nicht angesagt. Man schreckte auch nicht vor Mord zurück.
 
In dieser Welt spielt nur das Geld eine Rolle. Gatsby, der aus dem Krieg in Europa zurückgekehrt war, hatte es zu Reichtum gebracht und amüsierte sich unentwegt. Alle lagen ihm zu Füßen, wollten an seinen Partyfreuden teilnehmen. Er aber wollte seine Jugendliebe Daisy wieder für sich gewinnen, die in seiner Abwesenheit einen „Sportsfreund“ geheiratet hatte, der sich wiederum eine Geliebte hielt.
 
Das Drama endete mit Mord und Totschlag. Als Moderator und Partygast hatte Hendrik Winkler als Nick Carraway eine wichtige Rolle. Er kehrt am Ende erschüttert in sein normales Leben zurück.
 
Geschickt hat die Regie mit Videos und wenigen Gegenständen das Bühnenbild gestaltet. Auch die Garderoben waren zeitgemäß ausgewählt. Auf offener Szene wurde das Bild durch wenige Handgriffe verändert. Auch das Publikum wurde geschickt mit in die ausgelassene Partystimmung einbezogen und hatte seinen Spaß daran.
 
Es handelt sich um ein sehr zeitkritisches Werk, das hinter die so genannten Goldenen Zwanziger ein großes Fragezeichen setzt. Doch wurde der aufmerksame Zuschauer das Gefühl nicht los, dass in diesem Stück über die 1920er-Jahre auch die Menschen heute einen Spiegel vorgehalten bekommen.
 
Von Johannes Baumert – Wolfsburger Nachrichten, 19.02.2014
 
   

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Schein und Sein in den Goldenen Zwanzigern
„Der große Gatsby“ überzeugt als Gastspiel im Congress Park mit stimmiger Interpretation

Hanau. „Warum hast Du nicht auf mich gewartet?“, fragt der geheimnisvolle Gatsby seine Jugendliebe Daisy, die als beste Partie der Stadt während seines Militärdienstes einen steinreichen Football-Star geheiratet hat und zur Zeit der „Roaring Twenties“ mit ihrem Gatten auf Long Island ein dekadentes und ausschweifendes Leben führt. „Weil reiche Frauen niemals arme Männer heiraten“, antwortet ihm darauf mit bitterem Unterton die schöne Angebetete. Die mondäne High-Society kurz vor ihrem wirtschaftlichen Niedergang thematisiert F. Scott Fitzgeralds Meisterwerk „The Great Gatsby“. Als Schauspielbearbeitung Gerold Theobalts in einer Inszenierung von Silvia Armbruster zeigten die Kempf Theatergastspiele im CPH bei der Volksbühne Hanau ihre durchweg stimmige und auf das Wesentliche konzentrierte Interpretation dieses Klassikers.
 
Fitzgerald beschreibt in seinem zynischen Roman nicht nur Verherrlichung des Materialismus, Hedonismus, Langeweile und als Gegenpol die bittere Armut, sondern auch das romantische Streben nach Glück und Erfolg, den amerikanischen Traum und dessen Scheitern: James Gatz alias Jay Gatsby arbeitet sich mit nicht legalen Mitteln in Zeiten der Prohibition zum Multimillionär hoch, felsenfest davon überzeugt, so seine aus einer besseren Familie stammende große Liebe Daisy, die inzwischen verheiratet ist, zurückzugewinnen. Diese hat inzwischen den reichen groben Klotz Tom Buchanan geheiratet, der sich als Geliebte die Frau des Tankwarts hält. Um in Daisys Nähe zu sein und sie zu beeindrucken, hat Gatsby sich auf Long Island niedergelassen und gibt ein rauschendes Fest nach dem anderen in seiner palastartigen Villa. Der Machtkampf zwischen Buchanan und Gatsby mündet schließlich in eine Katastrophe. Nach einem Aufenthalt in New York fährt Daisy am Steuer von Gatsbys gelbem Wagen die Geliebte ihres Mannes zu Tode und Gatsby wird von deren Ehemann George Wilson erschossen.
 
Eine Schlüsselrolle als Mittler und Erzähler hat der unbescholtene junge Cousin Daisys, Nick Carraway, eine tragende Darstellung von Hendrik Winkler, der im Theaterstück die Erzählpassagen an einem großen Standmikrofon mal humorvoll, mal emotionsgeladen vortrug. Die Inszenierung Armbrusters bestach durch starke Charakter-Schauspieler, allen voran Thorsten Nindel als grobschlächtiger Pragmatiker Tom, Ursula Buschhorn als verloren wirkende und verbitterte Daisy und Hans Piesbergen als romantischer Emporkömmling Gatsby, die man neben dem Theater auch aus diversen Rollen in Film und Fernsehen kennt. Nicole Lohfink als Jordan Baker, Stephanie Martin als Myrtle Wilson und Andreas Bittl als ihr Mann ergänzten das siebenköpfige Ensemble, das vor einem Bühnenbild mit mobilen Elementen, wie Art-Deco-Couch und angedeuteten Automobilen den Zuschauern Raum für Fantasien zum unermesslichen Reichtum und der Dekadenz einer dem Untergang geweihten Gesellschaft ließen.
 
Von Andrea Pauly, Hanauer Anzeiger, 17.02.2014
 
   

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Gesellschaftskritische Predigt
Buxtehude. Long Island auf der Halepaghen-Bühne: Mittendrin Jay Gatsby und sein verzweifelter Versuch, mit Geld und Glamour alles zu erreichen, was sein Herz begehrt. Vor einem wohlüberlegt eingesetzten Bühnenbild, das treffend die damalige genusssüchtige und gelangweilte, mondäne Gesellschaft widerspiegelt, zeigte das Ensemble der Kempf-Theatergastspiele den Fitzgerald-Klassiker „Der große Gatsby“ mit einer derart großen Begeisterung, die binnen Minuten auf das Publikum im ausverkauftem Saal übersprang.
 
Bekanntlich lässt sich mit Geld alles kaufen, nur nicht die Gefühle eines anderen Menschen. Eine bittere Erfahrung, die Jay Gatsby in dem Schauspiel von Gerold Theobalt nach dem Roman „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald macht und am Ende mit dem Tod bezahlt. Vielleicht ist die tödliche Kugel, die ihn für eine Tat trifft, die er gar nicht begangen hat, aber für die er die Verantwortung übernimmt, aber auch die Erlösung. Vielleicht gehört Gatsby zu denen, die die Wahrheit gar nicht wissen wollen, die lieber mit ihren Illusionen sterben, als mit bitterer Erkenntnis weiterzuleben.
 
Fitzgerald, dessen Geschichten zu einem großen Teil autobiografisch sind, lässt die Frage offen. Seiner unglücklichen Romanfigur gönnt er nur eine scheinbar glückliche Zeit in der Ära der „Goldenen Zwanziger“, längst vergangen, doch das Thema nach wie vor aktuell: Attraktiver junger Mann, leider mittellos, verliebt sich in eine Schöne aus reichem Hause, die natürlich in ihren Kreisen einen Ehemann sucht und findet. Gatsby bleibt nur sein brennender Ehrgeiz und zwielichtige Geschäfte, um in der Liga der Millionäre mitzuspielen. Die New Yorker Upperclass lässt sich gerne einladen zu seinen rauschenden Partys, versagt ihm aber die Anerkennung. Jeder benutzt jeden, aber nicht jeder zahlt für seine Verfehlungen. Ironie des Schicksals: Gatsby findet seine große Liebe, Daisy, zwar wieder, aber gewinnt sie nicht, egal was er tut. Selbst als er die Schuld für den von Daisy verursachten tödlichen Unfall übernimmt, will er nicht sehen, dass alle ihn nur benutzen, den „Großen Gatsby“, an dessen Grab keiner seiner ehemaligen „Freunde“ steht und um ihn weint. „Sie schlugen Dinge und Geschöpfe kaputt und zogen sich dann zurück in ihr Geld und ihre Verantwortungslosigkeit (...) und ließen andere ihr Chaos aufräumen“, bringt Nick, Daisys Cousin, die Haltung der rücksichtslosen Gesellschaft auf den Punkt. In jedem Satz, in jeder Szene, wird aber auch die Haltung Fitzgeralds deutlich: „Ich habe es nie fertiggebracht, den Reichen zu verzeihen, dass sie reich sind.“
 
Für die Zuschauer gab’s nichts zu verzeihen, sie dankten am Schluss mit langanhaltendem Applaus.
 
Von Franziska Felsch – Buxtehuder Tageblatt, 21.02.2014
 
   

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