Theatergastspiele Kempf GmbH
Die Harry Belafonte Story
Schauspiel mit Musik von Gerold Theobalt

4. Tournee:
18. September bis 18. Oktober 2014

3. Tournee:
15. Januar bis 25. März 2014
Premiere am 15. Januar 2014 in Schweinfurt

2. Tournee:
Premiere am 8. November 2012 in Waldkraiburg
8. November 2012 bis 27. Januar 2013

1. Tournee:
Uraufführung am 24. Februar 2012 in Siegen
24. Februar bis 30. März 2012
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„Harry Belafonte Story“: Im wonnigen Sog mitreißender Songs

„Fulda – Wahnsinn“: Ron Williams ist nahezu sprachlos über das begeisterte Publikum, das am Schluss der mitreißenden „Harry Belafonte Story“, vereint in einem klanggewaltigen Massenchor, mit „Matilda“ das Ensemble und vor allem den charismatischen Sänger feiert.
 
Fulda. „Seine Songs, sein Leben“ lautet der Untertitel des gekonnt-publikumswirksamen „Schauspiels mit Musik“ von Gerold Theobald, einem Meister musikalischer Biografien. Die Belafonte-Show beschließt Theobalts „Tetralogie der amerikanischen Befreiungsbewegung“, zu der Produktionen über Martin Luther King, Nelson Mandela sowie Ella Fitzgerald und Billie Holiday gehören. Die aufregend-fantastische Lebensgeschichte des Harry Belafonte (1927 als Sohn eines schwarzen Seemanns und einer jamaikanischen Putzfrau geboren), der vom Harlemer Straßenkind zum Kalypso-König aufsteigt, wird bereichert mit Welt-Hits des Meisters; zudem mit Bluesballaden und Songs der südafrikanischen Befreiungsbewegung.
 
Den Sog der ebenso mitreißenden wie melancholischen, kämpferischen wie sensiblen Musik genießt das Publikum von der ersten Minute an: Kein Wunder, denn die Interpretationen des vorzüglichen Sextetts lassen keine Wünsche offen. Glanzlichter der Ohrwurmparade sind „Angelina“, der „Banana Boat Song“, das innige Duett „The First Time I Saw Your Face“, „Matilda“ und natürlich das wunderschöne „Cu Cu Ru Cu Cu Paloma“, in dem sich Karsten Kenzel als Steve und Daniela Kiefer als Julie Robinson-Belafonte zum wonnigen Sehnsuchts-Duett vereinen. Eine entzückende Parodie auf das Kinderlied vom Loch im Eimer gelingt Daniela Kiefer und Ron Williams, einem profunden Schauspieler sowie Entertainer und vor allem begnadeten Sänger, der dem unverwechselbaren Belafonte-Timbre sehr nahe kommt. Die Hommage stellt auch den gewiss nicht allen bekannten Belafonte vor, den todesmutigen Kämpfer gegen Machtmissbrauch, Unterdrückung, Krieg, Unmenschlichkeit und vor allem Rassismus, dessen Filmkarriere wegen der Heirat mit einer weißen Frau zerbricht, der von den Schergen des „Kommunistenfressers“ McCarthy verfolgt und vom Ku Klux Klan mit dem Tode bedroht wird.
 
Belafonte blättert sein Leben auf in einer einst berühmten Bar, in der sich Menschen treffen, die für die Außenseiter stehen, denen der Sänger großzügig hilft: Da sind der Rapper Steve (Karsten Kenzel, beklemmend in seiner ohnmächtigen Wut über die ungerechte Gesellschaft), die Barfrau Angel (Maureen Wyse mit vitaler darstellerischer und vokaler Ausstrahlung), deren Mann im Irak-Krieg stirbt und die jetzt auch ihr Kind durchbringen muss, und Barbesitzer Charly (Gerhard Haase-Hindenberg, ein Vollblut-Sänger-Darsteller) und Jeff. In der Rolle dieses Pianisten brilliert Tastenvirtuose Thomas E. Killinger als Ein-Mann-Orchester. Herausragend ist auch die Leistung von Daniela Kiefer als liebevoll-eigenwillige Julie.
 
Für die spannende, anrührende, aber nie rührselige Inszenierung zeichnet Birgit Simmler verantwortlich, für die temperamentvoll-ausgeklügelte Choreografie Michael Schmieder. Das Publikum schwelgt in Emotionen, applaudiert mitunter frenetisch und nimmt Belafontes Botschaft der Menschlichkeit und Toleranz frohgemut mit nach Hause.
 
Von Christoph A. Brandner – Fuldaer Zeitung, 01.03.2014
 
   

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Großartige „Harry Belafonte Story“
Aufführung in Gunzenhausen wurde zu einem Triumph für Ron Williams und seine Mitspieler

Hat man so was schon mal gesehen?! Hunderte Menschen verlassen die Stadthalle, und sie haben diesen gewissen Glanz in den Augen. Das gerade Dargebotene verbindet und hallt nach. Dem Nebenmann braucht man gar nicht viel zu sagen, ein knappes „Toll, was?“ genügt. Die Frage bedarf keiner Antwort. Was diese Menschen erlebt haben, ist eine Sternstunde im Rahmen des städtischen Theaterprogramms. Selten waren die Emotionen auf und vor der Bühne so groß wie bei der „Harry Belafonte Story“, einem Schauspiel mit Musik – und viel mehr als Musik.
 
Gunzenhausen. Ja, man hat so was schon mal gesehen. Hauptdarsteller Ron Williams hat bereits als Martin Luther King und Ray Charles geglänzt. Diesmal aber übertrifft der Kalifornier, ehemals Radiomoderator beim US-Sender AFN in Deutschland, sich selbst. So souverän, so warmherzig, so begeisternd! Warum auch immer – jedenfalls läuft er in Gunzenhausen jedesmal zur Hochform auf. Und er nimmt die Freude des Publikums noch während der Vorstellung dankbar auf, fordert zu mehr Beifall auf, lacht, freut sich.
 
Williams machte sich einst als Kabarettist einen Namen. Er „kann“ One-Man-Shows, ist Entertainer, Sänger und Schauspieler. Sein Engagement für Toleranz und gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt brachte ihm viel Anerkennung. Wer, wenn nicht er, kann Harry Belafonte verkörpern, diesen legendären Künstler aus Harlem, New York, der die Jugend im Schwarzenghetto, dann in Jamaica, schließlich wieder in Big Apple verbrachte und dann eine ebenso erfolgreiche wie durch die äußeren Umstände gehemmte Karriere hatte. Belafonte sah unverschämt gut aus, sein Lachen war ansteckend, seine Stimme mehr als großartig, sein Können universal – und er war ein Farbiger. Das genügte, um angefeindet und sogar mit dem Leben bedroht zu werden. Es war die Zeit der McCarthy-Hysterie. Er musste längere Zeit als Schauspieler pausieren, setzte sich aber immer wieder durch, und seinen legendären Calypso-Songs war sowieso mit Intoleranz und Rassenhass nicht beizukommen. In den 80er-Jahren initiierte er das Projekt „USA for Africa“.
 
„Die Harry Belafonte Story“ huldigt diesem großartigen Menschen, der sich immer wieder politisch engagierte, auf der Seite der Unterdrückten stand und den Aufbruch der USA in eine neue Zeit unter JFK mit anregte und förderte – gegen alle Widerstände. Belafonte verlor seinen engen Freund Martin Luther King durch Mörderhand, auch andere ließen ihr Leben, und die Bürgerrechtsbewegung erreichte längst nicht alle ihre Ziele. Und doch blieb sich Belafonte treu, er ließ in seinem humanitären Engagement nicht nach. Der Bogen spannte sich bis zur Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung.
 
Damit zurück zum Stück, das diesen Lebensweg nachzeichnet, manchmal in harten Schnitten zwischen der Gegenwart und den 50er-Jahren, als vieles begann. Belafonte trifft in einem Club in New York, wo er einst zu singen pflegte, auf Clubbesitzer Charly (Gerhard Haase-Hindenberg), dessen Angestellte Angel (Maureen Wyse), den Rapper Steve (Karsten Kenzel) und den Pianisten Jeff (Thomas E. Killinger). Belafontes Frau Julie (Daniela Kiefer) kommt hinzu. So entspinnt sich ein Wechselspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Steve und Angel haben mit dem, was vor Jahrzehnten die USA bewegte, nicht viel am Hut. Sie sehen ihre eher tristen Verhältnisse und die schwierigen Perspektiven. Was sagt ihnen da noch der „Marsch auf Washington“ am 28. August 1963? Nichts.
 
Gezeichnet vom Vietnam-Krieg
 
Belafonte, die gescheite Julie und der musikbegeisterte Charly aber haben die Werte von damals verinnerlicht und stehen zu ihnen, auch im Alter, trotz mancher Enttäuschungen, die ihnen die aktuelle US-Politik bereitet. Und auch der zurückhaltende Jeff bekommt Konturen, als er erwähnt, dass er einst nach Vietnam gehen musste, um dieses unbekannte Land mit aller Gewalt vor dem Kommunismus zu retten. Auch Charly wurde damals eingezogen, er will nicht drüber reden, was er im Dschungel erlebte und tat.
 
Bei aller Wertschätzung, die Belafonte in den zweieinhalb Theaterstunden entgegenschlägt, wird er nicht glorifiziert. Er ist ein Mensch mit Schwächen und Brüchen. Seine Frau Julie hat er nicht immer gut behandelt. Sie musste sich in Harlem mit den Kindern durchschlagen, während er Glanz und Glamour suchte und genoss. Julie kann darüber im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen. Auch die Spielleidenschaft machte Belafonte zu schaffen. Doch wenn es darauf ankam, war er bereit, Leib und Leben für seine Ideale zu riskieren, etwa als er Bargeld in den tiefen Süden brachte, damit dort das Wahlrecht der Schwarzen auch tatsächlich praktiziert werden konnte. Von seiner ersten verdienten Million baute er ein Krankenhaus für Arme. Sein Credo: „Der Künstler muss Rassismus und Hass mit Herz und Hirn entgegentreten.“ Und: „Wir sind die Stimme von denen, die keine Stimme haben.“ Doch Steve, der junge Weiße, der keinen Job hat und vieles, wenn nicht alles „ablehnt, bleibt skeptisch, erachtet den Altmeister, der von fernen Zeiten erzählt, als „weltfremden Spinner“. Und die farbige Angel, die mehrere Jobs hat, um über die Runden zu kommen, und von einer Schauspielerkarriere träumt, ist nicht gewillt, die allgemeine Nostalgie zu teilen. Und Julie hat schon so manchen Strauß mit ihrem Mann ausgefochten. Wie das so war, lässt sich beim Duett „There’s a hole in the Bucket“ vergnüglich nachempfinden. Es ist gerade die Stärke des Stücks, dass die Figuren neben Belafonte nicht an den Rand gedrängt werden, sondern ihre eigene Geschichte erzählen (und singen).
 
Musik, die zu Herzen geht
 
So erlebt die gut gefüllte Stadthalle vordergründig ein interessantes Schauspiel in US-Geschichte, von dem, was die Freiheitsstatue symbolisiert, über Rosa Parks (die Schwarze, die sich 1955 in Alabama weigerte, ihren Busplatz für einen Weißen zu räumen) und den Ku-Klux-Klan bis zu 9/11 und dem Irak-Krieg, der wie Vietnam Kriegerwitwen hinterließ und wie Vietnam nicht zu den gesteckten Zielen führte. Das Ganze wäre recht aufschlussreich – und wohl bald wieder vergessen –, wenn nicht die Musik wäre. Harry Belafonte ist deshalb berühmt, weil er auf so hinreißende Weise tolle Melodien vortragen konnte. Und mehr als ein Abglanz davon lässt die Herzen der Zuhörer schneller schlagen. Ron Williams übertrifft sich selbst, sei es bei Angelina, Banana Boat Song, Island in the sun, We shall overcome. Bei Matilda singt schließlich die ganze Halle mit. Calypso, Balladen, Gospel, Volkslied, Kinderlied, die Mischung an diesem Abend ist perfekt.
 
Der widerspenstige Steve stimmt dann doch mit ein. Der zeitlosen Botschaft dieser Musik kann er nicht widerstehen. Er erkennt: Das, wofür Harry Belafonte stand und steht, hat auch mit der Gegenwart zu tun: Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden – nicht nur für die Reichen und Privilegierten. Mag Amerika noch so sehr den Nimbus des „Horts der Freiheit“ verloren haben, so bleibt es doch das Land, das jedem die Möglichkeit gibt, den Freiheitsgedanken zu leben. „Du kannst den Träumer töten, aber nicht den Traum.“ Ron Williams soll unbedingt wiederkommen, um uns mehr davon zu erzählen.
 
Wolfgang Dressler – Altmühlbote, 23.02.2014
 
   

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Begeisterung für Belafonte
Im Kleinen Haus brilliert Ron Williams in der Rolle des Musikers, Schauspielers und Bürgerrechtlers

Mit Liedern wie „Angelina“, „Jamaica Farewell“ oder dem „Banana Boat Song“ sang sich Harry Belafonte in die Herzen der Menschen. Am Sonnabendabend hatten Zuschauer im ausverkauften Theater „Kleines Haus“ die Gelegenheit, seine Lieder und vor allem sein Leben im Stück „Die Harry Belafonte Story“ zu sehen.
 
Delmenhorst. Ron Williams als Harry Belafonte war natürlich Dreh- und Angelpunkt auf der Bühne – aber auch um die anderen Figuren rankten sich starke Geschichten. Eine Bar, irgendwo in New York City. Steve, ein junger Mann aus Harlem, singt gerade Besitzer Charly Duke etwas vor, rappt eher, als dass er singt. Ein Lied von einem „Schwarzen Kreuz“ und davon, dass sich die darin besungenen Unbekannten selbst schlachten und im Blut baden sollen. Während er seine aggressiven Zeilen darbietet, betritt ein Mann den Raum. Es ist Harry Belafonte wie Barbesitzer Charly bald darauf erfreut feststellt.
 
Schon sind nicht nur die Protagonisten auf der Bühne, sondern auch das Publikum mitten drin in der Lebensgeschichte von Harry Belafonte. Und Belafonte erzählt. Erzählt von seinem Leben, seiner Kindheit in Harlem, vom alkoholabhängigen Vater und der kurzen Zeit auf Jamaika. Aber vor allem singt er, was den großen Reiz des Stücks ausmacht: Sein Leben wird entlang seiner bekanntesten Lieder entfaltet. Zusammen mit dem emotionsgeladenen Spiel der Darsteller erzeugten die Songs beim Publikum vor allem gute Laune. Zum Beispiel als Harry (Ron Williams) und seine Frau Julie (Daniela Kiefer) sich über sein ewiges Zuspätkommen streiten. Da setzt plötzlich Musik ein und der Streit wird mit dem Kinderlied „There’s A Hole In The Bucket“ weiter ausgetragen, was durch die komödiantische Darstellung von Kiefer und Williams für reichlich Gelächter im Publikum sorgte. Für musikalisches Gänsehautgefühl dagegen sorgte das Lied „The First Time Ever I Saw Your Face“, das die beiden singen, als sie sich gegenseitig ihre Zuneigung gestehen.
 
Gerold Theobalts niveauvolles Schauspiel mit Musik zeigt die beeindruckenden Lebensstationen des prominenten „King of Calypso“, der sich auch durch die Hetzjagd in der McCarthy-Ära und den Ku-Klux-Klan nicht kleinkriegen ließ. Dabei brillierte besonders Ron Williams in der Rolle des Belafonte: Er spielte und sang so überzeugend, dass manchmal fast der Eindruck entstand, als stünde Belafonte persönlich auf der Bühne und teile seine Lebensgeschichte mit dem Publikum.
 
Dass die nicht immer nur von künstlerischem und kommerziellem Erfolg geprägt war, beweisen diverse Situationen, die auf der Bühne auch als Zeitreise dargestellt wurden. Da ist zum Beispiel die Szene vom Regisseur von „Island In The Sun“, der von wütenden Südstaatlern zusammengeschlagen wird. In diesem Film von 1957 hatte Belafonte einen schwarzen Politiker gespielt, der eine Liebesaffäre mit einer weißen Tochter der höheren Gesellschaft beginnt. Im Amerika zu dieser Zeit ein absolutes Tabu, der Film durfte in den Südstaaten nicht gezeigt werden. Überhaupt greift „Die Harry Belafonte Story“ viele geschichtliche Ereignisse auf, die mehr oder weniger mit seinem Leben in Verbindung stehen. Untrennbar ist diese Verbindung von Belafontes eigener Geschichte natürlich mit der Bürgerrechtsbewegung.
 
Doch es geht nicht hauptsächlich um den US-amerikanischen Sänger, Schauspieler und Entertainer. Auch die anderen Protagonisten bekamen die Chance, ihre Geschichte in die Belafontes einzubinden, sie waren nicht nur bewunderndes Beiwerk. Da waren neben dem perspektivlosen Steve (Karsten Kenzel) auch noch die alleinerziehende Barkeeperin Angel (Maureen Wyse), die ihren Freund, den Vater ihres Sohnes, im Irak-Krieg verlor. Und auch Charly (Gerhard Haase-Hindenberg) war im Krieg, zusammen mit Freund und Barpianist Jeff (Thomas E. Killinger). Beide haben an vorderster Front die Schrecken in Vietnam erlebt.
 
Die Zuschauer lobten diesen gelungenen und unterhaltsamen Theaterabend mit viel Applaus und nach dem Finale mit minutenlangen stehenden Ovationen.
 
Von Tordis Stefan – Weser Kurier, 10.02.2014
 
   

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Der Calypso-Sound bleibt im Gehör der Welt

Leonberg. Seine Stimme war samtweich mit leicht heiserem Kratzen. Doch sein Ton konnte messerscharf sein, und immer hat er klare Botschaften transportiert. Harry Belafonte, seit Samstag 87 Jahre alt, hat die Welt mit seinem Calypso-Sound entzückt. Er war der erste Künstler, der ein Album mehr als eine Million Mal verkaufte. Belafonte war bekannt durch seine Musik, seine Schauspielerei – und dadurch, dass er den Mund nie gehalten hat, wenn um Ungerechtigkeiten ging. Das Leben des großen Künstlers hat „Die Harry Belafonte Story“, geschrieben von Gerold Theobalt, in einer gelungenen Inszenierung in der Stadthalle nacherzählt.
 
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Produktion der preisgekrönten Kempf-Theatergastspiele hat nicht nur die Geschichte des Stars auf intelligente, unterhaltsame, aber auch nachdenklich machende Weise nacherzählt. Sie hat zudem durchweg exzellente Schauspieler und Sänger aufgeboten. Nicht zuletzt Hauptdarsteller Ron Williams, vielen noch bekannt als Radio-Moderator des US-Senders AFN und Träger des Bundesverdienstkreuzes, lässt als präsenter, begnadeter Sänger und Schauspieler fast vergessen, dass er mit dem Original Belafonte nicht identisch ist.
 
Mit „Try to Remember“ wird verzaubert
 
Mit dem wundervoll melancholischen Song „Try to Remember“ aus dem alten Broadway-Musical „The Fantasticks“ startet die Harry-Belafonte-Story. Ein Song, über den Belafonte einmal gesagt hat, er solle auf seiner Beerdigung ertönen. Ort des Geschehens ist ein kleiner Club, in dem Harry Belafonte als junger Mann gejobbt hat. In ihm trägt gerade Steve (Karsten Kenzel) einen coolen Rap vor. Den tut Clubbesitzer Charly Duke (Gerhard Haase-Hindenberg) mit den Worten „stumpfsinnige Rhythmen, ordinäre Texte und blödes Gedudel“ ab. Auch die Bardame Angel (Maureen Wyse) und Pianist Jeff (Thomas E. Killinger) sind vom Rapper nicht wirklich euphorisiert.
 
Nur Belafonte, der gerade den Club betreten hat, hört dem Rapper aufmerksam zu. Er wird erkannt – und die Geschichte, zu der noch Harrys Ehefrau Julie Robinson stößt, gespielt von Daniela Kiefer mit einem wunderbaren Mezzosopran, nimmt ihren Lauf. Requisiten brauchen die Darsteller kaum: Einige halbrunde, flexible Elemente in der Bar taugen als Theke und Sitzgelegenheiten, als Boot oder Wellen.
 
Drastische Bilder auf der Leinwand
 
Dazu gibt es auf der Leinwand Bilder und Filmausschnitte samt Jahreszahlen, die zu den Ereignissen passen. Gesungen mal als Solo, mal mehrstimmig, werden nicht nur Belafontes eigene Songs – etwa Angelina, Back of the Bus, Island in the Sun oder Jamaika Farewell –, sondern auch Swing, Balladen, Lieder der Bürgerrechtsbewegung. Oder das wunderbare „And I Love You So“ von Don McLean. In diesem Fall dient es als Liebesduett von Harry und seiner Frau – und nicht nur bei diesem Lied ist man tief berührt.
 
Es wird von Belafontes Kindheit in Harlem und Jamaika erzählt, von seiner Liebe zur Weißen Julie, von den Morddrohungen, die das Paar für diesen Akt der „Rassenschande“ erhielt. Martin Luther King und seine Rede „I Had a Dream“ ist ebenso Teil der Geschichte wie die Kommunistenverfolgung. Oder Rosa Parks, die durch ihren zivilen Ungehorsam in einem Bus in die Geschichte eingegangen ist. Schwer verdaulich sind Leinwand-Bilder, die gelynchte oder verbrannte Schwarze zeigen, oder Kriegsgräuel aus Vietnam, Hiroshima und dem Irak. So gerät die Show auch zu einer Abrechnung mit den sozialen und politischen Zuständen in den USA.
 
Und doch schafft es die Regie (Birgit Simmler) immer rechtzeitig, mit humorvollen Szenen und den lebensbejahenden Songs die Kurve zu kriegen: So singt etwa das Ehepaar Belafonte herrlich frech das Kinderlied „There’s a Hole in the Bucket“ als Duett und spießt damit die handwerkliche Unbedarftheit des Titelhelden auf. Und irgendwann zieht Harry alias Ron seine größte Visitenkarte aus der Tasche und stimmt seinen größten Hit „Banana Boat Song“ an. Eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung und der Lebensfreude, mit der Harry Belafonte im Gehör der Welt nachklingen wird. Nachdem sie eine Nacht lang Bananen auf die Schiffe verladen haben, sehen erschöpfte Bauern dem nächsten Tag entgegen: „Day-o, Day-ay-ay-ay-o“.
 
Mit zwei Zugaben und viel Applaus geht ein großartiger Abend zu Ende, der Lust macht auf mehr. Auf mehr Wissen über einen Mann, der sich gegen den Vietnamkrieg und für Armenkrankenhäuser engagiert hat. Und der noch heute dafür kämpft, dass die Welt so wird, wie sie sein soll.
 
Von Barbara Bross-Winkler – Leonberger Kreiszeitung, 03.03.2014
 
   

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Rhythmus als politisches Fanal
Das Ensemble des Musikschauspiels „Die Harry Belafonte Story“ verzückte im Kurtheater das zahlreiche Publikum.

Freudenstadt. Harry Belafonte: Das klingt nach Calypso, Rhythmus, der ins Blut geht, Lebensfreude und nicht zuletzt nach „Bacardi“. Der Name erinnert insbesondere an den „Banana Boat Song“, befeuert die Wiedersehensfreude mit „Angelina“ oder verleitet zum Dahinschmelzen auf der „Island In The Sun“. Das ist die eine Seite der Medaille, wohlbekannt und publikumswirksam. Ihre andere spiegelt ein Leben in stetem Kampf um Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung, getragen von der Parole: „Rassismus und Hass mit Herz und Hirn entgegentreten!“
 
Über 400 Besucher erlebten im Kurtheater „Die Harry Belafonte Story“ in einer Produktion der Kempf Theatergastspiele Grünwald. Das sechsköpfige Ensemble ließ das Publikum jubilieren und stehend applaudieren. Für die Künstler Ron Williams (Harry Belafonte), Daniela Kiefer (Julie Robinson-Belafonte), Maureen Wyse (Angel), Gerhard Haase-Hindenberg (Charly Duke), Karsten Kenzel (Steve) und Thomas E. Killinger (Jeff, Pianist und musikalische Leitung) gab es zum Ende des zweieinhalbstündigen „Schauspiels mit Musik“ von Gerold Theobalt kaum einen „geordneten“ Abgang – die Gäste waren aus dem Häuschen.
 
Tatsächlich flimmerte mit der biografischen Show unter stimmungsvollen Lichteffekten großes Kino über die Bühne: voluminöse Stimmen, schauspielerischer Tiefgang mit Witz und Verve. Die gesamte Truppe, durchweg profilierte Vertreter ihrer Zunft, blieb an Können und Unterhaltungswert nichts schuldig. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Star des Abends, Ron Williams. Der Mime und Sänger, wiederholt in Freudenstadt künstlerischer Gast, versteht es mitzureißen und mit dem Publikum zu spielen. Alle haben ihren Spaß, selbst dann, wenn der Meister ein nicht ganz harmonisches Einstimmen von 400 Kehlen kurz kommentiert: „Ja, so ungefähr...“
 
Zum Stück selbst: Harry Belafontes Biografie ist Gegenstand einer Gruppe von Menschen, die in Charlys Club zusammenkommt. Dort hat der inzwischen weltberühmte Künstler als junger Kerl gejobbt. Harrys Frau Julie, die hinzustößt, beschreibt ihre Sicht der Lebensgeschichte ihres Mannes. Sein nostalgischer Auftritt ist auch Anlass für eine politische Revue, eine harsche Auseinandersetzung mit dem Land der tausend Möglichkeiten. In diesem Mikrokosmos prallen Gegensätze der Generationen aufeinander – musikalisch und gesellschaftspolitisch.
 
Der junge Steve, perspektivlos und desillusioniert, hängt dem Rap an, den der Vietnam-Veteran Charly als „Angebermusik für sozial Schwache“ glattbügelt. Angel hält sich und ihr Kind nur mit Mühe wirtschaftlich über Wasser und sieht deshalb kaum Land. Das Drama mit Musik lässt die dunkle Zeit der Unterdrückung vor allem der schwarzen Amerikaner wieder aufleben, die aus der Überzeugung, dass „Gott den Nigger zum Sklaven gemacht“ hat, gespeist wird. Was die US-Regierungen an Sünden begangen und sich an Schlappen geleistet haben, kommt aufs Tapet, vom Vietnamkrieg über das Irak-Abenteuer bis in die Gegenwart. Eine kleine Lehrstunde gibt’s obendrauf – das politische Ränkespiel gesellschaftlicher Kräfte um das Wahrzeichen New Yorks, die Freiheitsstatue.
 
In diese historische Rückschau passen der Weltuntergangssong „Eve Of Destruction“, seinerzeit zum Hit gemacht von Barry McGuire, die Protesthymne der US-Bürgerrechtsbewegung „We Shall Overcome“ und der eine globale Aufbruchstimmung anheizende Song „We Are The World“.
 
Über allem prangt das Engagement von Harry Belafonte als Bürgerrechtler im Verein beispielsweise mit Martin Luther King, als Kämpfer gegen den Vietnamkrieg und die Apartheid in Südafrika sowie als Friedensstifter an Brennpunkten der Weltkugel. Das hängt auch mit Träumen und Visionen zusammen, die er gegen Pessimisten und Verzagte ins Feld führt: „Du kannst den Träumer töten, aber nicht die Träume.“
 
Von Gerhard Keck – Schwarzwälder-Bote, 27.02.2014
 
   

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Entertainer mit Herz und Courage
Ron Williams begeistert als Harry Belafonte in Kronach. Die Biografie wird zur unterhaltsamen musikalischen Geschichtsstunde.

Kronach. Nach den Bühnen-Biografien über Nelson Mandela und Martin Luther King präsentierte der engagierte und vielseitige Entertainer Ron Williams gemeinsam mit kongenialen SchauspielkollegInnen am Wochenende die faszinierende Lebens-, Leidens- und Erfolgsgeschichte des einzigartigen Sängers Harry Belafonte im Kronacher Kreiskulturring. Die Songs des sozialpolitischen engagierten Weltmusikers bilden im vierten der biographischen Schauspiele Gerold Theobalts (Uraufführung 2012) die wesentlichen Markierungen der Lebensgeschichte vor dem Hintergrund der Menschenrechts- und Bürgerrechtsbewegung in den USA.
 
Evergreens
 
Vor einer multifunktionalen Tourneebühnenkulisse und in der starken Lichtregie Peter Senkels läuft eine bunte Revue mit Harry Belafonte in Concert ab, dessen Stimme Ron Williams unverwechselbares Timbre verleiht. Die musikalische Show mit Evergreens vom karibischen Folksong über Calypso, Folk-Rock bis Rap bildet den roten Lebensfaden, an dessen Knotenpunkten Szenen aus dem Leben des Künstlers vor dem Hintergrund von Videoeinblendungen des jeweiligen Weltgeschehens gespielt werden.
 
Neben der zentralen Figur brillieren Daniela Kiefer als seine Frau Julie Robinson-Belafonte, Maureen Wyse als Schauspieltalent Angel, Karsten Kenzel als ignoranter, noch auf den rechten Weg zu bringender Harlem-Rapper Steve und Gerhard Haase-Hindenberg als Clubbesitzer und Talenteproduzent Charly Duke. Sie alle sind Teil der Rahmenhandlung, in der sich der alt gewordene, immer noch kämpferische Star in einer Bar mit jungen Menschen auseinandersetzt, ihnen die Geschichte des Befreiungskampfes der Schwarzen in den USA erläutert und Überzeugungsarbeit für Zivilcourage und Eigenverantwortung leistet. Aber sie verwandeln sich im Verlauf des Dramas auch in Menschen, die in seinem Leben eine Rolle spielten. Während der McCarthy-Ära mit ihren antikommunistischen Verschwörungstheorien, in der Zeit der brandmordenden Rassisten des Ku-Klux-Klan, in der Zeit des Vietnamkrieges und Martin Luther Kings „Marsch auf Washington“.
 
Zwischen dem Gestern von 1957 und 1963 und dem Heute erklingen die weltweit erfolgreichen Songs: Von „Try to remember“, „Island in the sun“, „Banana Boat Song“ bis „Angelina“. Großartig Daniela Kiefer in seinen Liebesliedern wie „The first time ever I saw your face“, im Duett mit Ron Williams mit dem – unglaublich frisch und komisch dargebotenen – Kinderlied „There's a Hole in the Bucket“ (Ein Loch ist im Eimer) oder mit Karsten Kenzel, der vom Rapper bis zum Tenor und Countertenor eine. wunderbare große Stimme präsentierte, so in „And I love you so“ von Don Mclean. Gewaltig und aufrüttelnd ebenso die Stimme von Maureen Wyse, etwa mit „America the beautiful“ oder im Duett mit „Lady Liberty“ von Ron Williams.
 
Harmonisches Ensemble
 
Nicht zuletzt ergänzte Gerhard Haase-Hindenbergs Stimme das schauspielernde Gesangssextett auf der Bühne, etwa bei „Eve of destruction“ von Barry McGuire. Hinter der Inszenierung von Birgit Simmler und dem Ensemble stand vor allem Thomas E. Killinger, der als Pianist Jeff in der Bar leise Zwischenmusiken improvisierte und alle Songs tonangebend begleitete. Er schauspielerte und sang noch und zeichnete für einige Titel verantwortlich. Das harmonische Verständnis des Ensembles zeigte sich in jeder Szene und kam besonders in den gemeinsamen Titeln wie dem Protestlied „We shall overcome“, „lt can move you too“ von Ron Williams und dem überwältigenden Schlusscouplet „We are the world“ zum Tragen, nach dem es keinen Zuschauer mehr auf den Sitzen hielt. Pfeifen und tobender Applaus begleiteten diese spannende, aufklärende, höchst unterhaltsame und politisch wachrüttelnde Aufführung bis in die fröhliche Dreingabe von „Matilda“.
 
Von Dr. Peter Müller – Neue Presse Coburg, 17.02.2014
 
   

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Nachdenklicher Theaterabend endete fröhlich
Die rasante Harry-Belafonte-Story begeisterte die Zuschauer

Idar-Oberstein. Es war eine der interessantesten Theateraufführungen, die in den vergangenen Jahren in Idar-Oberstein in der städtischen Aboreihe zu sehen war. „Die Harry-Belafonte-Story" war weit mehr als nur das Absingen von Hits. Es war eine ungeschönte Abrechnung mit den politischen und sozialen Zuständen, die in den USA zwischen den 50er Jahren und heute herrschen.
 
In einer kleinen Bar in New York trifft Weltstar Harry Belafonte (Ron Williams) im Jahr 2006 auf den jungen Rapper Steve (Karsten Kenzel), den Barbesitzer Charly Duke (Gerhard Haase-Hindenberg), den Pianisten Jeff (Thomas E. Killinger) und die Bedienung Angel (Ex-"Sturm der Liebe"-Star Dominique Siassia). Belafontes Ehefrau Julie Robinson-Belafonte (Maaike Schuurmans) kommt dazu, und es beginnt eine Zeitreise zurück mit einem Blick auf die Karriere des von Ron Williams hervorragend gespielten Ausnahmesängers und Schauspielers. Optisch gibt es dazu Bilder und Filme auf einer Videowand zu sehen.
 
Harry Belafonte war und ist mehr als nur ein begnadeter Entertainer, der als Filmstar („Carmen Jones") und Sänger („Banana boat song") zum Weltstar wurde. Der am 1. März 1927 in Harlem (New York) geborene Entertainer engagierte sich immer für die Menschenrechte. Und das vor allen Dingen für seine farbigen Mitmenschen. Mit dem Film „Island in the sun", der erstmals eine Liebe zwischen einer weißen Frau und einem farbigen Mann zeigte, beginnt die Rückschau. 1957 ein Riesenskandal in den USA, für den es sogar Morddrohungen gab. Ein schwarzes Kapitel für die USA waren in den 50er-Jahren auch die Kommunistenverfolgungsjagden des republikanischen Senators McCarthy, die Belafonte, auch wenn er nicht Kommunist war, ein Berufsverbot als Schauspieler brachte. Sein Verhängnis: Er verweigerte die Aussage, als er Berufskollegen denunzieren sollte.
 
Eigentlich war das Schauspielverbot ein Glücksfall für ihn, denn bei seinen Clubengagements entdeckte er den Calypso und wurde später mit seinen Songs weltberühmt. Politisch blieb Belafonte bis heute engagiert. Zusammen mit Martin Luther King setzte er sich für die Auflösung der Apartheid ein. Er war Mitglied der Bürgerrechtsbewegung; schön der Satz im Theaterstück: „Wir Künstler haben die Aufgabe, die Welt so zu zeigen, wie sie sein sollte!" Später demonstrierte er gegen den Vietnamkrieg und 1985 wurde er Mitbegründer der Bewegung „USA for Africa" Doch nicht nur Belafonte hat seine Geschichte zu erzählen. So erzählen Bar-Chef Charly und Pianist Jeff ihre Erlebnisse im Vietnamkrieg. Barfrau Angel berichtet über den Tod ihres Mannes im Irakkrieg - auch wegen der Videobilder ein schwerverdaulicher Stoff.
 
Den Gegenpol bildeten die fröhlichen Calypso-Songs wie „Banana boat song", „Island in the sun" oder „There's a hole in the bucket". Sowohl gesanglich als auch schauspielerisch wusste das gesamte Ensemble zu überzeugen. Und das auch, als im zweiten Teil des Stückes Steve-Darsteller Kersten Kenzel wegen eines Bühnenunfalls: ausfiel und improvisiert werden musste. Nach dem Röntgen im Krankenhaus konnte Kenzel wieder ins Hotel zurückkehren. Viel Beifall gab es am Ende von den rund 500 Besuchern. Und das nicht nur, weil „We are the world" davor zu hören war. Die Zugabe „Mathilda“ wurde im Stehen mitgesungen. Und so endete ein durchaus nachdenklich machender Theaterabend ziemlich fröhlich.
 
Nahe-Zeitung, 3.12.2012
 
   

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Einsatz gegen Rassismus
Theaterstück erzählt Geschichte des Sängers Harry Belafonte

Papenburg. Die bewegende Lebensgeschichte des amerikanischen Sängers und Schauspielers Harry Belafonte steht im Blickpunkt des von Gerold Theobalt geschriebenen Schauspiels „Die Harry-Belafonte-Story“, das im Papenburger Forum Alte Werft aufgeführt wurde. Und diese Geschichte hat es tatsächlich in sich. Viele Zuschauer, die den Mann mit der unverwechselbaren Stimme bislang lediglich auf seine Musik und seine Filme reduziert sahen, erfuhren mehr über die Hintergründe eines Lebens, das die ganze Bandbreite zwischen Armut und Hunger, Glamour und Weltruhm sowie Hasstiraden und Gefahr für Leib und Leben reflektiert.
 
Das ebenso hinreißend wie spannend inszenierte Theaterstück mit Musik kommt mit sechs Akteuren und einem äußerst spartanischen Bühnenbild aus. Mit viel Musik und einer autobiografischen Erzählweise zeigt es auf, wie sich Harry Belafonte von Kindesbeinen an mutig und unbeugsam über Restriktionen hinwegsetzt, sich für Arme und Benachteiligte engagiert, Machtmissbrauch und Unterdrückung anprangert und sich bis heute im Sinne seines Freundes Martin Luther King für ein friedliches Zusammenleben von Menschen aller Rassen und Hautfarben starkmacht.
 
Als Harry Belafonte stand Ron Williams auf der Bühne. Gekonnt trug er dessen Songs vor, darunter die Welthits „Banana Boat Song“, „Island in the Sun“, „Angelina“ und „Try to Remember“. Doch auch eine Auswahl bekannter Lieder anderer Sänger sowie Protestsongs und Spirituals wurden zum Besten gegeben, vielfach im Duett mit Maaike Schuurmans, die Julie Robinson-Belafonte spielte und die überdies mit perfekt einstudierten tänzerischen Einlagen begeisterte. Die Auswahl der Calypso-Hits, der Folk- und Bluessongs ließ keine Wünsche offen.
 
Hörenswert waren zudem das von Maaike Schuurmans mit Karsten Kenzel (Rapper Steve) vorgetragene Lied „Cu Cu Ru Cu Cu Paloma“ sowie die gesanglichen Darbietungen von Dominique Siassia und das Pianospiel des musikalischen Leiters Thomas E. Killinger. Visuell unterstützt wurde die Aufführung durch Schwarz-Weiß-Fotos und Bewegtbilder von Rassenunruhen, Vietnam- und Irakkrieg und den Terroranschlägen vom 11. September.
 
Der Altersdurchschnitt des Publikums, das die einzige Zugabe, nämlich „Matilda“, mit stehendem Applaus bedachte, lag jenseits der 50. Das ist bedauerlich, denn die pazifistische Botschaft Harry Belafontes richtet sich auch und besonders an die junge Generation.
 
Ems-Zeitung 03.12.12
 
   

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Der singende Bürgerrechtler

Metzingen. Ein Junge aus dem Schwarzenviertel Harlem wird zum "King of Calypso": "Die Harry Belafonte Story" bot in der Stadthalle Ausschnitte aus dem Leben des 85-jährigen Sängers und viele Calypso-Klassiker.
 
Es war um die Mitte der 1950er Jahre in New York, als Harry Belafonte nach seiner Militärzeit per Zufall in die Welt des Theaters geriet, als Musiker und Filmstar über Nacht populär wurde und eine beispiellose Karriere begann. Es war auch die Zeit, als Senator McCarthy zur Kommunistenhatz aufrief und auch Harry Belafonte zur Anhörung vorgeladen wurde.
 
Dieses Erlebnis war für den jungen Schauspieler und Sänger die Initialzündung, sich ein eigenes Programm mit Calypso-Balladen aufzubauen, und es war der Beginn seiner aktiven Unterstützung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Nun haben sich vier Darsteller und Sänger um den in Kalifornien geborenen und in Deutschland lebenden Ron Williams aufgemacht, diese Zeit in einer musikalischen Revue wieder zum Leben zu erwecken. Eine Zeit also, als die Weißen die Maßstäbe für das Leben der Schwarzen diktierten und Martin Luther King zum zivilen Ungehorsam aufrief.
 
Zudem gewähren die fünf Darsteller in den fast zweieinhalb Stunden Spielzeit einen Einblick ins Innere der Calypso-Musik, die Belafonte aus Trinidad importierte und in den USA und Europa populär machte. Hier zeigt sich, dass die Akteure vor allem hervorragende Sänger sind. Ob Dominique Siassia, die die Bardame Angel verkörpert, oder Maaike Schuurmans als aufgekratzt und meist lamentierende Julie Robinson-Belafonte. Ob Karsten Kenzel als musikalischer Gegenpart und Rapper Steve, Gerhard Haase-Hindenberg als Clubbesitzer oder Ron Williams mit verblüffend ähnlichem Harry-Belafonte-Timbre: Sie alle werten die Revue mit ihren tollen Stimmen und musikalischen Brüchen enorm auf. Ausgangsort der Handlung ist ein heruntergekommener Club in Harlem, in dem der Sohn karibischer Einwanderer als junger Mann gejobbt hat und in den er nun als berühmter Künstler zurückkehrt. Von hier aus blickt Ron Williams auf Belafontes Leben zurück, erzählt über wichtige Einschnitte wie die Anhörung vor dem McCarthy-Ausschuss oder die Verfolgung durch den Ku-Klux-Klan und reflektiert sein Leben entlang der bekanntesten Songs. Neben unvergesslichen Calypso-Hits ("Banana Boat Song", "Cu Cu Ru Cu Cu Paloma", "Mathilda", "Island in the Sun") und Balladen (Try to Remember", "And I love you so") kommen auch zahlreiche andere Melodien aus dieser Zeit zur Aufführung (Barry McGuires "Eve of Destruction" und das Protestlied "We shall Overcome").
 
Dem Publikum einen prallvollen Sack voller wunderbaren Melodien zu liefern - das war die Idee von Regisseurin Birgit Simmler. Und in der Tat bewegen sich Williams und die anderen Sänger überaus stilsicher zwischen Calypso, poppigen Balladen und Black Music.
 
Selbst Nörgler müssen anerkennen, dass jeder von ihnen über vokale Power verfügt und dass die Präzision erstaunlich ist, mit der die Sänger und der musikalische Leiter und Pianist Thomas E. Killinger agieren. Kein Mundwinkel im Publikum, der sich bei Songs wie "Angelina", "We are the World" oder "The first time ever I saw your face" nicht automatisch nach oben zieht. Angereichert wird die Hommage an den afro-amerikanischen Künstler durch Videoeinspielungen mit Filmausschnitten sowie Informationshäppchen über die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung.
 
Bleibt die Frage nach der Authentizität der musikalischen Revue. Spürt man das gesellschaftspolitische Engagement des "singenden Bürgerrechtlers", die Aufbruchstimmung der 60er Jahre, das politische Aufbegehren für schwarze Bürgerrechte? Auch diesbezüglich überzeugen vor allem Ron Williams und die beiden Frauen an den Mikros. Sie verkörpern mit jeder Bewegung den Geist dieser Zeit, singen ihn, lachen und weinen ihn.
 
Von Jürgen Spiess - Südwest Presse, 28.11.2012
 
   

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Am Schluss singt das ganze K3N mit
Die „Harry Belafonte Story" wurde in der Stadthalle enthusiastisch gefeiert

NÜRTINGEN. So etwas gibt's in der Stadthalle K3N nicht alle Tage: Am Ende der Vorstellung nötigte das total begeisterte Publikum den Darstellern mit stehenden Ovationen nicht nur zwei Zugaben ab. Nein. Die Zuschauer wurden klatschender-, tanzender- und singenderweise selbst zu Akteuren. Schon bei „Matilda“ stand die ganze Halle, bei „Hava Nagila" gab dann jeder sein Bestes. So war der jüdische Evergreen ein gelungener und passender Abschluss eines wunderbaren Abends, denn Harry Belafonte beendete seine Konzerte stets mit diesem Lied.
 
Nicht nur mit diesem kleinen dramaturgischen und überaus authentischen Kunstgriff beschworen Williams und sein Team immer wieder den 85-jährigen König des Calypso beinahe körperlich spürbar. Mit dem Stück von Gerold Theobalt präsentierten die Kempf Theatergastspiele im Theaterprogramm des städtischen Kulturangebots ein überaus spannendes und sympathisches Bild von Harry Belafonte. Damit schenkten sie der aktuellen Saison einen Höhepunkt. Dass die Halle beinahe bis auf den letzten Platz besetzt war, verwunderte nicht weiter. Denn Ron Williams, Entertainer, Schauspieler und eben auch begnadeter Sänger, hatte schon vor zwei Jahren in Nürtingen in der Rolle der Blueslegende Ray Charles brilliert. Nun schlüpfte er in die Rolle von Harry Belafonte. Dabei hauchte er den weltbekannten Songs und Ohrwürmern tatsächlich eigenes Leben ein, ohne auch nur eine Nuance ihres typischen Charakters verschwinden zu lassen.
 
Wer ist Harry Belafonte? Jeder glaubt ihn zu kennen. Er ist der Mann mit der ansteckenden guten Laune. Zum Beispiel, wenn er den „Banana Boat Song" singt. Da ist er der König des Calypso. Und er ist der Mann mit der großen Melancholie in der Stimme, wenn er mit „Try to remember" die Töne regelrecht dahinschmelzen lässt. Natürlich beherrschten diese Songs die Szenerie. Aber die „Harry Belafonte Story" ist mehr als nur eine Nummernrevue, eine Schlageransammlung. Denn die Lebensgeschichte des begnadeten Showmanns ist eben auch viel mehr. Das Stück zeigt Belafonte als Kämpfer für die Bürgerrechte der farbigen Menschen. Es zeigt ihn im steten Kampf gegen Rassismus, gegen Krieg, gegen Unmenschlichkeit.
 
Dieses Porträt eines Kämpfers entfaltet die Inszenierung mit einfachen, aber wirksamen Mitteln. Die „Story" spielt in „Charly's Bar", einem Club, in dem Belafonte sich früher einmal verdingt hatte. Als alter Mann kehrt er zurück. Zuerst unerkannt. Unerkannt auch von Steve (Karsten Kenzel), dem jungen Rapper, dessen Wut auf die ungerechte Gesellschaft in der Musik ein Ventil findet. Unerkannt auch von der jungen Bedienung Angel (nicht genug zu loben: Dominique Siassia). Der Vater ihres Kindes ist im Irakkrieg gefallen, nun schlägt sie sich mehr schlecht als recht durchs Leben.
 
Steven und Angel sind Randfiguren der Gesellschaft. Belafonte wird auch sie verstehen. Auch Barbesitzer Charly (Gerhard Haase-Hindenberg) und Pianist Jeff (Thomas E. Killinger steuert wunderbare musikalische Begleitung zum brillanten Livegesang aller Darsteller bei.) sind als Vietnam-Veteranen solche Randfiguren, solche Vergessenen. Bald wird sich zu dieser Gruppe auch noch Belafontes Frau Julie Robinson-Belafonte gesellen. Angela Roy geht in dieser Rolle auch sängerisch und tänzerisch auf und verleiht ihr Star-Appeal, ist sie doch unter anderem aus ihren Fernsehauftritten an der Seite von Fritz Wepper in „Ein unverbesserlicher Dickkopf" bekannt. In dieser Szenenkomposition erzählt Belafonte aus seinem Leben. Zum Beispiel wie er, in New York geboren, als Kind in Jamaika entscheidend geprägt wurde. Doch die Zeitreisen auf der Leinwand zeigen Belafonte vor allem eben als Kämpfer für die Armen und Unterdrückten. Sie zeigen ihn als Freund von Martin Luther King. Sie erzählen, wie er vom Ku-Klux-Klan verfolgt wird, weil er es als schwarzer Schauspieler im Film -„Island in the Sun" wagte, sich in eine von Joan Fontaine dargestellte weiße Frau zu verlieben. Sie zeigen ihn in den Fängen des Kommunistenjägers Joe McCarthy, dessen Nachstellungen seine Schauspielkarriere beendeten. Und sie zeigen ihn als Unterstützer der Kennedys - wie so oft in Lebensgefahr.
 
Dabei werden immer wieder nicht jedem bekannte Kapitel der Geschichte aufgeschlagen. Da erfährt man zum Beispiel, dass die Freiheitsstatue eigentlich nicht eine Göttin sondern ein befreiter Sklave sein sollte; die Ketten zu Füßen von „Lady Liberty" zeugen noch davon. Untermalt werden diese Zeitreisen auch von Songs, die nicht von Belafonte stammen. So intoniert Dominique Siassia zum Beispiel „America the Beautiful", die heimliche US-Nationalhymne. Barry McGuires „Eve of Destruction" geben die beiden Vietnam-Veteranen herrlich kaputt zum Besten. Doch auch die unbeschwerte Unterhaltung steht im Vordergrund. Ron Williams und Angela Roy liefern eine höchst vergnügliche Version von ,,There's a Hole in the Bucket" ab, jenem Kinderlied, das in unseren Breiten als „Ein Loch ist im Eimer" Berühmtheit erlangte.
 
Zur Reihe der unvergessenen Lieder gehört auch die US-Bürgerrechtshymne „We Shall Overcome". Und zum Schluss zieht das Ensemble mit der Live-Aid-Hymne „We Are the World" das Publikum in seinen Bann. Und auch da gibt's etwas zu lernen: Die Bewegung „USA for Africa", der dieses Lied. entwuchs, gründete Harry Belafonte. Was für ein Künstler, was für ein Mensch!
 
Von Andreas Warausch - Nürtinger Zeitung, 28.3.2012
 
   

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Vielschichtiges Theater
Ein Abend über Harry Belafonte

Lünen. Kann ein Theaterstück gleichzeitig unterhaltsam und tiefgründig, humorvoll und rührend, musikalisch und schauspielerisch ausgefeilt sein und dabei noch eine Botschaft für Toleranz und Menschlichkeit vermitteln?
 
Es kann.

 
Wenn es die Geschichte eines Menschen erzählt, der all diese Eigenschaften in sich vereint. Die Rede ist von Harry Belafonte, dem amerikanischen Sänger, Schauspieler und Bürgerrechtler, der in diesen Tagen fünfundachtzig Jahre alt geworden ist. Nur zwei Wochen nach der Premiere in Siegen gastierten die Kempf Theatergastspiele am Dienstagabend nahezu ausverkauften Heinz-Hilpert-Theater mit der „Harry Belafonte Story“.
 
Handlung spielt in New York
 
Ort der Handlung ist „Charly’s club“ in New York, in dem der junge Belafonte vor vielen Jahren gesungen hat und in den er jetzt im Alter eher zufällig geraten ist. Vor den wenigen Gästen erzählt er seine Lebensgeschichte, die gleichzeitig ein Stück amerikanischer Geschichte ist. Und die Leute, die ihm zuhören, gehören zu den Leidtragenden der jüngsten politischen Entwicklungen. Da ist der Rapper Steve (Karsten Kenzel), ohne Job und Perspektive, da ist die Barfrau Angel (Dominique Siassa), die ihren Mann im Irak-Krieg verloren hat und jetzt mit zwei Jobs ihr Kind durchbringen muss. Da sind Charly Duke (Gerhard Haase-Hindenberg) und der Pianist Jeff (Thomas E. Killinger), die als Vietnam-Veteranen mit einem lebenslangen Trauma belastet sind. Sie stehen für die Menschen, für die sich Belafonte sein Leben lang eingesetzt hat.
 
Mit Erzählungen, Szenen und filmischen Rückblicken wird Belafontes Leben beleuchtet, werden seine oft schmerzlichen Erfahrungen geschildert. Seine Filme und Theaterauftritte werden vom gefürchteten Geheimbund Ku-Klux-Klan torpediert. Der McCarthy-Ausschuss stempelt ihn zum „unfreundlichen Zeugen“, weil er seine Mitstreiter nicht denunziert. Auftrittsverbote und fehlende Engagements sind die Konsequenz. Sein Bürgerrechtsgefährte Martin Luther King wird ermordet, ebenso wie die beiden von ihm unterstützen Politiker John F. und Robert Kennedy. Doch nie hat er sein Ziel aus den Augen verloren, gewaltlos gegen Rassismus und Unterdrückung vorzugehen. Nie hat er die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgegeben: „Man kann den Träumer erschießen, doch nicht den Traum“. Seine rührende menschliche Seite zeigt sich auch in seinem Verhältnis zu seiner weißen Frau Julie (Angela Roy), das wegen der unterschiedlichen Charaktere nie ohne Spannungen war, aber immer von einer innigen Liebe getragen wurde. Köstlich, wie er ihr gemeinsames Haus in Harlem wie ein Schloss, sie es aber als Bruchbude beschreibt. Mit dem Lied „Ein Loch ist im Eimer“ wird seine Abneigung vor handwerklichen Tätigkeiten zum Vergnügen der Zuschauer dokumentiert. Auch seine menschlichen Schwächen wie Spiel- und Alkoholsucht bleiben nicht unerwähnt.
 
Belafonte-Darsteller Ron Williams war mit seiner Stimme ganz nah am Original. Wie ein roter Faden zogen sich die Millionen-Erfolge durch das Stück, vom „Island in the Sun“ über „Jamaika farewell“ bis „Mathilda“. Und beim „Cu cu ru cu cu“ wurde die spanische „Paloma“, getragen von den wunderschönen Stimmen von Karsten Kenzel und Angela Roy, zu einer unter die Haut gehenden, alle Grenzen überfliegenden Friedensbotschaft.
 
Brillantes Ein-Mann-Orchester
 
Keyboarder Killinger begleitete, unterstützt von einem additiven Soundtrack, alle Stücke so virtuos, dass man vergaß, dass es sich um ein „Ein-Mann-Orchester“ handelte. Zum Schluss wurden die Sitzreihen im Theater zu eng, weil die Zuschauer sich erhoben hatten und zu „We are the World“ und „Hava Nagila“ mittanzten. Und dass das Stück mit einer derartigen Begeisterung aufgenommen wurde, zeigte auch, dass Menschlichkeit, Toleranz und Gewaltlosigkeit für das Lüner Publikum keine Fremdworte sind.
 
Diethelm Textoris - Ruhrnachrichten, 21.3.2012
 
   

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Bravo-Rufe: Belafontes Lebensstory
Grandioses Gastspiel im Saalbau

Ausgelassen multikulturell feierte die Theatergemeinde Volksbühne im fast ausverkauften Saalbau. Die Harry-Belafonte-Story, von den Kempf-Theatergastspielen produziert, überzeugt in allen Belangen und wird enthusiastisch gefeiert.
 
Ron Williams singt sich dabei als Harry Belafonte ebenso in die Ohren und Herzen der Zuschauer wie seine Mitstreiter/innen. Allen voran Schauspielerin Angela Roy als Julie Robinson-Belafonte. Sie ragt aus dem ohnehin schon auf höchstem Niveau singenden Ensemble heraus. Ihr unter die Haut gehendes Duett „Cu Cu Ru Cu Cu Paloma" mit dem jungen Karsten Kenzel als Rapper Steve wird verdientermaßen mit minutenlangem Zwischen-Applaus und Bravo-Rufen gefeiert. Zudem ist sie, wie auch Dominique Siassia (Angel), tänzerisch äußerst ausdrucksstark und stimmlich dem „schwarzen Blues" sehr, sehr nahe. Hinzu gesellen sich mit Gerhard Haase-Hindenberg als Club-Wirt Charly und dem Musikalischen Leiter Thomas E. Killing als Pianist Jeff zwei weitere exzellente Protagonisten, die auch schauspielerisch ebenso betroffen wie nachdenklich machen.
 
Lehrreich ist das abwechslungsreiche Stück gegen Rassenhass und für mehr Toleranz obendrein. So geht es zum Beispiel um die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die der junge Steve gar nicht kennt und runter macht, ehe sich Angel und Harry als unterdrückte Schwarze sowie Charly und Jeff als Vietnam-Veteranen outen. Sie haben viel Schreckliches erlebt, aber längst noch nicht verarbeitet.
 
Bei „Island In The Sun", der Hymne an Belafontes Lieblingsland Jamaika, fühlt man sich in die Karibik versetzt, hört die Wellen rauschen, spürt den Sand und das Gute-Laune-Feeling. Doch die Story ist nicht nur lustig und Happiness pur, sondern auch gelebte, bittere Geschichte von Rassenhass, Unterdrückung und Krieg. Das Arbeiter-Lied „Banana-Boat-Song" passt da bestens ins Bild.
 
Kriege und Katastrophen
 
Die prägnanten Stationen des Freundes von Martin Luther King werden ebenso beeindruckend in Szene gesetzt wie die Kriege in Vietnam und zuletzt im Irak. Der Terror fehlt angesichts der auf der Videowand einstürzenden Türme des World-Trade-Centers ebenso wenig wie die immer noch bestehenden Ressentiments gegenüber dem, der anders ist. Regisseurin Birgit Simmler zeichnet eine umfassende, ebenso lebensfrohe wie lebenszerstörende Welt, in der Harry Belafonte lebte und wirkte. Dass diese gelingt, dafür sorgen die erhellenden Lichteffekte von Peter Senkel und die mitreißende Choreografie von Michael Schmieder äußerst anschaulich, nachvollziehbar und berührend.
 
Und wenn Ron Williams „Try To Remember" anstimmt, so steht dieser weltbekannte Belafonte-Hit für das gesamte Lebenswerk dieses einzigartigen Künstlers wie auch für das Musik-Schauspiel von Gerold Theobalt.
 
Von Dietmar Bock - Der Westen, 17.3.2012
 
   

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Harry Belafonte in Buxtehude
Ensemble der Theatergastspiele Kempf bringt ein großartiges Schauspiel auf die Halepaghen-Bühne

BUXTEHUDE. Zum Schluss war das gesamte Publikum in der ausverkauften Halepaghen-Aula auf den Beinen, in den vorderen Reihen wurde getanzt, und alle erwiesen sie der Leistung eines hinreißenden Ensembles, das ohne Zugaben nicht von der Bühne durfte, ihre Reverenz.
 
Mit ihrer Hommage auf den fantastischen Sänger und engagierten Menschenrechtler eroberten die Mimen von den Theatergastspielen Kempf die Bühne und die Herzen der Besucher im Sturm. Das war spitze.
„Die Harry Belafonte Story" ist ein bewegendes und ein politisches Schauspiel mit Musik aus der Feder von Gerold Theobalt, das die Besucher und Besucherinnen virtuos auf eine spannende Zeitreise mitnimmt und sie mit einer außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit bekannt macht. Denn Harry Belafontes Charisma speist sich nicht allein aus seiner wunderschönen Stimme und seinem unverwechselbaren Calypso-Sound mit den rhythmischen Songs aus der Karibik. Der 1927 als Kind eines schwarzen Seemanns und einer jamaikanischen Putzfrau in Harlem geborene Sänger tritt gegen die Unterdrückung der Schwarzen in den USA an, kämpft für ein Leben ohne Gewalt und setzt sich für soziale Projekte und für die Ärmsten der Armen ein. Die Repressalien, die er nicht nur in der vom Kommunistenhass zerfressenen paranoiden McCarthy-Ara zu spüren bekommt, kümmern ihn nicht weiter. „I have a dream": Das Credo seines Freundes und Weggefährten Martin Luther King ist auch Harry Belafonte zu eigen.
 
Das eindringliche Schauspiel erzählt die Geschichte seiner Songs und seines bewegten Lebens, in dem die große Liebe zu seiner weißen Frau Julie eine elementare Rolle spielt. Eine Liebe, die nur selten frei von Sorgen und Ängsten war. Bei „The First Time Ever I Saw Your Face“ kann man in Halepaghen Stecknadeln fallen hören. Der gefeierte schwarze Sänger und musicalerprobte Schauspieler und Entertainer Ron Williams, der schon mit Erfolg in Produktionen wie der „Nelson Mandela Story" oder in „Ray Charles" zu erleben war, meistert ebenso mühelos die Rolle des Harry Belafonte. Seite an Seite mit ihm betritt das Publikum einen kleinen Club in New York, in dem der Sänger in jungen Jahren gejobbt hat. Der Club ist ein Treffpunkt für liebenswerte Figuren, die zu den Verlierern der amerikanischen Gesellschaft gehören. Besitzer Charly erkennt den berühmten Gast wieder. Sie schwelgen in Erinnerungen und drehen das Rad der Zeit zurück.
 
Von Anfang an hält das tempostarke Spiel, das auch voller leiser Töne ist, das Publikum in Atem. Zwischenapplaus und Bravorufe begleiten das Ensemble, das wie aus einem Guss daherkommt, von der ersten bis zur letzten Minute. Im wandelbaren Bühnenbild von Gerhard Reihl und Birgit Simmler, die in dieser ausgezeichneten Inszenierung die Fäden zieht, agieren die Protagonisten auf Augenhöhe.
 
Wenn das von Michael Schmieder mit sicherer Hand choreografierte Schauspieler-Sextett mit Ausstrahlung und starken Stimmen die Bühne erobert, wenn von dort oben das vom einfühlsamen Pianisten Thomas E. Killinger begleitete „Angelina“ ertönt, der "Banana Boat Song“ oder „Try To Remember", wenn Ron Williams gefühlvoll „Jamaika Farewell" anstimmt, wenn „Cu Cu Ru Cu Cu Paloma" erklingt oder das Spiritual „Sometimes I Feel Like A Motherless Child" für Gänsehaut sorgt, sind die Emotionen im Auditorium mit der Hand zu greifen.
 
Kaum mehr zu halten ist das Publikum, als das Ensemble mit „We Are The World" von Michael Jackson einen fulminanten Schlussakkord unter einen von Leidenschaft geprägten zweieinhalbstündigen Abend setzt.
 
Von Hannelore Aldag - Buxtehuder Tageblatt, 9.3.2012
 
   

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Triumphzug ins Herz des Publikums
Die „Harry Belafonte Story“ in der Fritz-Wunderlich-Halle mit Ron Williams reißt die Besucher mit – Am Ende singen und klatschen alle mit

Großartige Stimmen und weltbekannte Lieder: Mit dieser Mischung eroberte „Die Harry Belafonte Story“ mit Ron Williams in der Titelrolle das Publikum in der ausverkauften Kuseler Fritz-Wunderlich-Halle im Sturm. Es war ein Triumphzug.
 
„Hawa nagila - Lasst uns glücklich sein.“ Der fröhliche Gassenhauer war die zweite Zugabe der „Harry Belafonte Story“, und alle sangen oder klatschten mit. 470 Menschen in der Fritz-Wunderlich-Halle waren längst aufgestanden zu Ehren des Ensembles.
 
„Try to Remember“, „Mama Look a Boo Boo“ und „Island in the Sun“ sorgten für die ersten Begeisterungsstürme. Viele der millionenfach verkauften Calypso-Hits von Harry Belafonte kamen zum Zug im Schauspiel um Leben und Musik des ersten schwarzen Megastars der USA und ebenso weniger geläufige Lieder des 1927 geborenen Schauspielers und Sängers. Titel wie „Back of the Bus“, „Birmingham Alabama“ oder „In That Great Getting Up Morning“ repräsentierten den der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannten weiteren wichtigen Aspekt der Persönlichkeit des Harry Belafonte: Bis heute setzt er sich und sein Geld für Bürgerrechte, Gleichberechtigung und humanitäre Projekte ein. Unterstützt von Videoeinspielungen lebten die Zeiten der gewaltsam durchgesetzten Rassentrennung, der politisch motivierten Morde an charismatischen Persönlichkeiten wie Martin Luther King, des Skandalfilms „Island in the Sun“, aber auch die Tage der großen Jazzhelden auf: Autor Gerold Theobalt hat die Handlung an die Adresse des historischen Royal Roost Clubs verlegt, wo nicht nur Belafonte, sondern auch Genies wie Charlie Parker, Ella Fitzgerald, Max Roach oder Dizzy Gillespie sich vor 60 Jahren kreative Nächte um die Ohren schlugen.
 
Belafonte ist nicht nur Calypsostar und Bürgerrechtler, sondern auch der Initiator des Benefizprojekts „USA for Africa“, und mit dessen Hit „We are the World“ endete die „Harry Belafonte Story“ denn auch - allerdings nur, um in den Zugaben „Matilda“ und „Hawa nagila“ die Fritz-Wunderlich-Halle in eine kleine Carnegie Hall mit singendem Publikum zu verwandeln; ganz so, wie es Harry Belafonte auch gerne tat.
 
Ron Williams mit seiner enormen Bühnenpräsenz und Leidenschaft (und den großartigen drei vorangegangenen Gastspielen als Martin Luther King, Ray Charles und Nelson Mandela) war sicher das Zugpferd, das die Aufführung zur in der laufenden Kuseler Theatersaison erfolgreichsten an der Kuseler Theaterkasse machte. Die Jubelstürme galten aber allen beeindruckenden Stimmen: Ron Williams, Angela Roy, Dominique Siassia, Karsten Kenzel, Thomas E. Killinger und Gerhard Haase-Hindenberg haben ihr Publikum mit ihrer Musik auch ohne, dass eine Liveband gespielt hätte, einfach nur glücklich gemacht.
 
Von Klaudia Gilcher - Die Rheinpfalz, 12.3.2012
 
   

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Kampf gegen Krieg und Unterdrückung
Die „Harry Belafonte Story" begeisterte das Publikum im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl

Stehende Ovationen für die „Harry Belafonte Story" im Bühler Bürgerhaus Neuer Markt. Gerold Theobalts „Schauspiel mit Musik", eine Neuproduktion der Kempf Theatergastspiele, reflektiert das Leben des Calypso-Königs im Licht der amerikanischen Friedens-und Bürgerrechtsbewegung.
 
Die erst vor wenigen Tagen Uraufführung feiernde Inszenierung von Birgt Simmler spielt in einem kleinen New Yorker Musikclub, der schon bessere Tage gesehen hat. Sämtliche Protagonisten haben ihr ganz besonderes Päckchen zu tragen. Barchef Charly (Gerhard Haase-Hindenberg) und sein Pianist Jeff (Thomas E. Killinger) erscheinen als desillusionierte Vietnam-Veteranen. Angel (Dominique Siassia), die Bedienung des Lokals, beklagt den Tod ihres im Irakkrieg gefallenen Geliebten. Selbst mit zwei Vollzeitjobs kann sich die alleinerziehende Mutter nur mühsam über Wasser halten. Zum Vorsingen ist der junge Rapper Steve (Karsten Kenzel) angetreten, dessen ohnmächtige Wut gegen das System noch wiederholt für Zündstoff sorgen wird.
 
In dieser Versammlung der Verbitterten erscheint der einzige Gast Harry Belafonte (Ron Williams) wie eine Lichtgestalt aus ferner Zeit. Wer jedoch bisher in Belafonte allein einen glücklich strahlenden Gute-Laune-Sänger sah, dessen samtweiche Stimme exotische Inselträume belebte, sieht sich schon bald eines Besseren belehrt. Eine Befragung durch den amerikanischen „Kommunistenfresser" Joseph McCarthy beendete für viele Jahre die schauspielerische Karriere des Künstlers. Der 1956 mit seinem „Calypso"-Album und dem darauf veröffentlichten „Banana-Boat-Song" weltweit die Spitze der Hitparaden stürmende Künstler wurde von den Rassisten des Landes wütend verfolgt. Belafontes Erfolgsfilm „Island of the Sun", der eine Liebesbeziehung zwischen Schwarz und Weiß thematisiert, heizte die Stimmung weiter an.
 
In einer Rückblende bangt seine Frau Julie (Angela Roy) um das Leben ihres Gatten, der nur knapp einem Mordanschlag des Ku-Klux-Klan entrinnt. Belafonte, ein Freund von Martin Luther King, engagierte sich für die schwarze Bürgerrechtsbewegung, kämpfte für den Rückzug amerikanischer Truppen aus Vietnam und unterstützte Nelson Mandelas Anti-Apartheid-Aktivitäten in Südafrika. Zur Sprache kommt auch das finanzielle Engagement des Künstlers, der von seiner ersten verdienten Million ein Krankenhaus für Arme baute und der Indianerbewegung erhebliche Summen stiftete.
 
Wenn Rapper Steve zornig klagt „Meine Welt hat er nicht verändert!" und zum bewaffneten Kampf gegen die Unterdrücker aufruft, mahnt Belafonte besonnen „Gewalt führt zur Gewalt" und rät „die Gewalt durch Menschlichkeit zu besiegen".
 
Mit Ron Williams ist die Titelfigur glaubhaft besetzt. Seine brillanten Interpretationen der Welthits Belafontes von „Angelina" über „Lady Liberty" bis „Mathilda" wurden enthusiastisch beklatscht. Aber auch alle anderen Darsteller erweisen sich als stimmgewaltig. Zu den absoluten Höhepunkten zählte das anrührende Williams-Roy-Duett „The First Time Ever I Saw Your Face" und ihre witzige „Hole in the Bucket"-Parodie. Nach „We are the world" sang der ganze Saal mit dem Ensemble „Hava Nagila" („Lasst uns glücklich sein"). Das passte.
 
Von Wolfgang Winter - Acher und Bühler Bote / Badisches Tagblatt, 1.3.2012
 
   

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Stürmischer Jubel für Ron Williams als Belafonte
Theater: Großartiges Schauspiel - Weltbekannte Lieder

Man nehme als Vorlage für ein Schauspiel mit Musik die Biografie einer Persönlichkeit aus der internationalen Showszene, besetze es mit einem guten Ensemble und darf sich des Erfolges sicher sein. Autor Gerold Theobalt nutzt diese Methode schon lange. Neu in seinem Repertoire ist „Die Harry Belafonte Story", die am Sonntag im Theater stürmisch gefeiert wurde.
 
Harry Belafonte - ein Name wie Musik, untrennbar verbunden mit dem Calypso-Sound aus Trinidad. Theobalt lässt die Ereignisse als Rückblende laufen. Belafonte betritt nach Jahren den kleinen New Yorker Club, in dem er als junger Mann gejobbt hat. Besitzer Charly erkennt den berühmten Gast. Man schwelgt in Erinnerungen, blättert die spannende Lebensgeschichte eines Stars auf, der stets für die Rechte der Armen und Schwarzen kämpfte. Die Heirat mit der Weißen Julie, melodramatische Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen - gekoppelt an eine Hitparade vom Feinsten.
 
Der musicalerprobte Entertainer Ron Williams präsentierte einen in Spiel und Gesang eleganten Belafonte (Regie: Birgit Simmler). Angela Roy war ihrem Harry als liebevolle Gattin Julie eine ebenbürtige Partnerin, wie auch Dominique Siassia, Gerhard Haase-Hindenberg und Karsten Kenzel sich hinter den Hauptdarstellern nicht zu verstecken brauchten. Für die exzellente musikalische Begleitung sorgte Thomas E. Killinger. Da kamen die berühmten Songs vom „Banana Boat" und dem „Island In The Sun" geschmeidig über die Rampe und krönte „We Are The World" das emotionale Finale.
 
Km - Wolfsburger Allgemeine, 28.2.2012
 
   

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Hommage an den König des Calypso
Harry Belafontes Leben

Harry Belafonte - König des Calypso, Kämpfer für die Rechte der schwarzen Bevölkerung in den USA und weltweit im Einsatz für Menschlichkeit! Am Sonntagabend rauschte sein Leben an 950 Wolfsburger Theatergängern vorüber. Ron Williams, der das Wolfsburger Publikum zuvor bereits in Charakter-Rollen beeindruckt hatte, zog auch diesmal alle Register seiner Darstellungskunst und zog die Besucher in seinen Bann.
 
Zur Handlung: Harry Belafonte blickte in einem kleinen Club, in dem er Jahrzehnte zuvor gejobbt hatte, auf seine bewegte Vergangenheit zurück. Gemeinsam mit ihm durchlebte seine Ehefrau Julie diese Retrospektive. Autor Gerold Theobald nahm Evergreens wie „Angelina", „Mathilda" oder den "Banana Boat Song" auf, und es endete mit dem Lied der Bewegung "USA for Africa" aus dem Jahr 1995: "We are the world".
 
Mehr und mehr nahm das Musical an atmosphärischer Dichte zu, auch ein Verdienst der mit großer Ausstrahlung auftretenden Angela Roy. Witzig war's - das Duett "There's a whole in the bucket" sei als Beispiel genannt - romantisch, aber auch ernst, nostalgisch und nachdenklich stimmend. Gesamteindruck: Gelungen, diese Harry-Belafonte-Story!
 
Von Andreas Stolz - Wolfsburger Nachrichten, 27.2.2012
 
   

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Der Gewalt entgegentreten
"Die Harry Belafonte Story" begeisterte so, dass Zusatzvorstellungen angesetzt werden.

Siegen. Am Anfang steht ein Rap, gesungen von Steve (Karsten Kenzel), einem weißen Jugendlichen, der zu den Verlierern der amerikanischen Gesellschaft gehört. Am Ende singen Ron Williams als Harry Belafonte und seine Frau Julie Robinson-Belafonte (Angela Roy) gemeinsam mit dem gesamten Ensemble "We Are The World", als Zeichen der Hoffnung für ein besseres Miteinander von Schwarzen und Weißen in den Vereinigten Staaten.
 
Da klatschte das Siegener Premierenpublikum am Freitag begeistert mit, dankte dem Ensemble, zu dem noch Dominique Siassia (Angel), Gerhard Haase-Hindenberg (Charly Duke) und Thomas E. Killinger (Jeff und gleichzeitig musikalischer Leiter des Schauspiels mit Musik) gehören, sowie dem Autor der "Harry Belafonte Story", Gerold Theobalt, dem Choreographen Michael Schmieder und der Regisseurin Birgit Simmler mit Standing Ovations. Und es erzwang zwei Zugaben, darunter jenes Lied, das man mit Harry Belafonte und seinem unverwechselbaren Calypso-Rhythmus sofort in Verbindung bringt: "Mathilda", interpretiert von Ron Williams mit seiner starken Stimme. Zum guten Schluss sang das Ensemble das hebräische Volkslied "Hava Nagila" ("Lasst uns glücklich sein").
 
Und zwischen Rap in dem einstigen kleinen Club, in dem Harry Belafonte als junger Mann gejobbt hat, und den Calypso-Rhythmen zieht am Zuschauer das Leben des Schauspielers, Sängers und Friedensaktivisten vorbei. Autor Gerold Theobalt zeigt die andere Seite des Entertainers: sein Engagement gegen die Unterdrückung der Schwarzen in den USA. Er tritt für Freiheit ein und ein Leben ohne Gewalt, trotz aller Repressalien, die er zu spüren bekommt. Seine Freundschaft zu Dr. Martin Luther King und seine Liebe zu seiner Frau Julie bestimmen sein Leben.
 
Eingebunden in diese "Lebensbeichte" sind die Belafonte-Lieder, mal im Calypso-Sound wie "Angelina" oder "Banana Boat Song", dann wieder als klassisches Protestlied der US-Bürgerrechtsbewegung, wie "We Shall Overcome". Doch zu den bewegendsten musikalischen Momenten gehört das Duett, in dem Ron Williams und Angela Roy sich ihre Liebe gestehen ("The First Time Ever I Saw Your Face"), und das Trio, in dem Angela Roy gemeinsam mit Dominique Siassia und Karsten Kenzel "Cu Cu Ru Cu Cu Paloma" singt.
 
Angela Roy ist überhaupt die Überraschung des Abends, wie sie tanzt, wie sie sich biegt und wiegt, und mit welch unverhohlener Inbrunst sie singt und ihren Mann umgarnt, ohne zu verkennen, wie oft er sie und die Kinder alleine lässt, um auf den Bühnen der Welt zu stehen oder sich für den Frieden zu engagieren. Ebenbürtige Partner: Dominique Siassia, die schon in der "Nelson Mandela Story" die Rolle der Winnie Mandela spielte, Karsten Kenzel, der u. a. in München im Prinzregententheater und im Deutschen Theater auf der Bühne stand. Gerhard Haase-Hindenberg ist der Vietnam-Veteran und Wirt Charly Duke, der genauso wie der Pianist Jeff (Thomas E. Killinger) zu den Verlierern gehört.
 
Und über Ron Williams in Siegen und dem Siegerland eine Lobeshymne anzustimmen, hieße "Eulen nach Athen zu tragen". Wenn er singt, geht eine ungeheure Bühnenpräsenz von ihm aus, und er fesselt wie immer, so auch am Freitag und am Samstag, sein Publikum.
 
Gerold Theobalt beschließt mit dem vierten Stück, nach "Ella und Billie", "I Have A Dream - Die Martin Luther King Story" und "Die Nelson Mandela Story - Endlich frei" seine Tetralogie der schwarzen Bürgerrechtsbewegungen. "Denn alle diese Stücke handeln", sagte er auf der Pressekonferenz vor der Uraufführung, "auf sehr unterschiedliche Weise vom Kampf um politische Emanzipation." Der Untertitel der "Harry Belafonte Story" heißt zwar "Seine Songs, sein Leben", doch der Autor hat geschickt die Lebensgeschichte der Belafontes mit der zweier Vietnam-Heimkehrer (Charly Duke und Jeff) und der der Barbedienung Angel und des Jugendlichen Steve verbunden, die alle den amerikanischen Traum träumen. Er wurde aber nur bei den Belafontes wahr, mit allen Einschränkungen, wie Angst, Morddrohungen und fehlenden Engagements in der Filmindustrie. Zu all den Ereignissen laufen im schlichten Bühnenbild auf einer Videoleinwand die Jahre wie ein Film ab.
 
Angesichts der Resonanz setzte das Apollo zwei weitere Vorstellungen an; das Stück geht auch auf Deutschlandtournee.
 
Siegener Zeitung, 26.2.2012
 
   

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